Archiv für den Monat: April 2008

Stutenkerle und Raupen

Wer weiß schon, wer was liest? Wenn es dann mal ein paar Zahlen gibt, können die ganz erstaunlich sein. Die Verlagsauslieferung des Männerschwarm Verlags, die Bücher aus 130 sogenannten kleinen oder mittelständischen Verlagen vertreibt, veröffentlicht einmal im Monat ihre Bestseller, und heute ist „Stutenkerle“ von Ralf König auf Platz 10 dieser Hitliste. Auf Platz 9 befindet sich „Heilsteine – 430 Steine von A – Z“ (letzter Monat Platz 10), auf Platz 8 „Die kleine Raupe nimmersatt“ (letzter Monat Platz 9). Irgendwie macht mich das traurig … (das ist redensartlich, bitte nicht trösten!).

Max Aue – das Stereotyp vom Schwulen Nazi?

Puh – ich hab Littells Roman „Die Wohlgesinnten“ gelesen. Und viele Fragen – auch Meinungen … Hier aber erstmal nur eins. Erfüllt Protagonist und Ich-Erzähler Max Aue das Stereotyp des „Schwulen Nazis“ – wie Joachim hier behauptet. Ich sage dazu erstmal: „Nein“! Und dann setze ich das Fragezeichen gleich dahinter: ?

Und schreibe das nicht als Kommentar zu Joachims Eintrag – es ist doch wieder etwas ausführlich geworden. :-)

Dass Max Aue keine psychologisch durchgearbeitete Figur ist, hat Joachim schon dargestellt. Ein Entwicklungsroman ist das nicht. Aber was für ein Roman ist es? Was für eine Figur ist Max Aue? Immerhin endet der Prolog mit einem Satz, der einen ähnlichen Absolutheitsanspruch formuliert wie die ganze Faktenhuberei über das Funktionieren des Judenmords.
Er sagt ganz einfach: „Ich bin ein Mensch wie ihr. Hört mal, wenn ich es euch doch sage: Ich bin wie ihr!“

Wenn der Weg der Erkenntnis „literarisch, künstlerisch, ästhetisch“ andere Wege geht als der wissenschaftliche, muss man fragen: Welchen literarischen „Mehrwert“ Max Aue – das Stereotyp vom Schwulen Nazi? weiterlesen