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	<title>Kommentare für Schwule Literatur</title>
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		<title>Kommentar zu &#8220;Fag Love&#8221; von Peter Rehberg revisited von Stefan Broniowski</title>
		<link>http://www.schwule-literatur.de/2012/01/fag-love-von-peter-rehberg-revisited/comment-page-1/#comment-147111</link>
		<dc:creator>Stefan Broniowski</dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Jan 2012 13:26:15 +0000</pubDate>
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		<description>Nun, ganz so, wie Joachim es wendet, ist es ja dann doch nicht. Ich habe nicht einfach unbegr&#252;ndete Behauptungen &#252;ber „Fag Love“ aufgestellt, sondern das, was ich &#252;ber den Text behauptet habe, ist immer eng und pr&#228;zise auf diesen bezogen. Zugegeben, zuweilen machen manche S&#228;tze vielleicht den Eindruck der Pauschalit&#228;t, und es gibt gewisser Weiterungen sowohl ins Allgemeine wie ins Pers&#246;nliche. (Etwa an der Stelle, an der ich sagen wollte, meine Weigerung, konformistische Schwule wie Felix usw. zu kennen, sei die Selbstverteidigung eines Marginalisierten; ich hatte es auch gesagt, wie der Kontext zeigen d&#252;rfte, wurde aber trotzdem gr&#252;ndlich missverstanden. „Stefan sieht in sich verteidigenden Marginalisierten eine konformistische Masse“ ist schlichtweg Unfug. ICH bin marginalisiert, weil nicht gen&#252;gend konformistisch, Rehbergs Romanpersonal hingegen ist massenkompatibel, majorit&#228;r und hegemonial. Wie kann man das so ins Gegenteil verdehen?)

Allerdings besteht f&#252;r meine Kritik eine unaufhebbare Schwierigkeit darin, dass man nicht zitieren kann, was nicht da steht. Denn meine Hauptkritikpunkte beziehen sich ja ausdr&#252;cklich darauf, dass „Fag Love“ etwas fehlt: „ohne Substanz“, „weltlos“, „an Wirklichkeit desinteressiert“, ferner „unkritisch“. Wenn man mich nun fragt, wo genau das im Text denn fehlt, k&#246;nnte ich nur antworten: Von der ersten bis zur letzten Seite …

Sehr wohl aber habe ich sehr konkrete Beispiele daf&#252;r genannt, woran es fehlt. Ich sagte, keine Figur sei wirklich individuell, keine habe ein bestimmte Aussehen, einen relevanten Beruf, eine Geschichte. Wie soll ich belegen, dass das fehlt? M&#252;sste man mir nicht im Gegenteil nachweisen, dass es entweder nicht fehlt oder dass das Fehlen kein Mangel, sondern vielleicht gar ein Vorzug des Textes ist?

(Man kann &#252;brigens nicht im Ernst diese dimensionslosen Felixe, Svens, Antons usw. mit den komplexen und pr&#228;gnanten Figuren bei Mann und Dostojewski vergleichen wollen! Wer diese Romane gelesen hat und Menschen, die den Figuren zumindest entfernt &#228;hneln, im Leben nie begegnet ist, macht etwas falsch. Nie ist Dir eine Toni oder ein Christian, ein Smerdjakow oder ein Gro&#223;inquisitor untergekommen, lieber Joachim? Und nie h&#228;ttest Du einen Aljoscha oder einen Morten Schwarzkopf kennenlernen wollen? Seltsam. Wie verschieden man sich doch zu Literatur verhalten kann.)

Ferner habe ich von den Orten gesprochen und dabei ausnahmsweise sogar (minimale) Zitate gebracht. Nach wie vor bin ich der Meinung, dass die Aussage, New York sei „die schwulste Stadt der Welt“ bedeutungslos ist, wenn nicht gesagt oder gezeigt wird, inwiefern New York das ist. Oder man unterstellt, der Autor habe die unkritische Hohlheit, das dumpfe Dahergerede seiner Hauptfigur darstellen wollen. Wenn dem so ist, ist es ihm irgendwie wohl auch gelungen, befriedigt mich in meinem Wissenshunger (Warum redet Felix so &#252;ber New York?) aber &#252;berhaupt nicht.

Hier, in Sachen New York und Berlin, h&#228;tte Joachim also einmal die sehnlichst gew&#252;nschten „Textstellen“ gehabt, &#252;ber die er streiten m&#246;chte, aber mit keinem Wort ist er auf meine Kritik daran eingegangen.

Meinerseits bin ich auf Joachims ausf&#252;hrlich zitiertes Beispiel des „qu&#228;lenden Telefonats“ sehr wohl eingegangen. Ich sagte (anscheinend wird hier manches &#252;berlesen, darum wiederhole ich mich), dass ich eine graphische Darstellung im Unterschied zu einer sprachlichen nicht f&#252;r Literatur halte. Mehr gibt es dazu aus meiner sicht nicht zu sagen.

Joachim schreibt, er h&#228;tte so gern erfahren, was mir nicht gef&#228;llt, welche S&#228;tze weltlos, d&#228;mlich oder banal sind. Das habe ich l&#228;ngst gesagt. Alles und jeder. Das Ganze. Was ist daran so schwer zu kapieren?

„Wer die Welt retten will, muss als erstes einmal mit dem Lesen aufh&#246;ren.“ Bl&#246;dsinn.

(„Immerfort wollte ich, dass ihr mein Hungern bewundert … Ihr sollt es aber nicht bewundern .... Weil ich hungern muss, ich kann nicht anders … Weil ich nicht die Speise finden konnte, die mir schmeckt.“)</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Nun, ganz so, wie Joachim es wendet, ist es ja dann doch nicht. Ich habe nicht einfach unbegr&#252;ndete Behauptungen &#252;ber „Fag Love“ aufgestellt, sondern das, was ich &#252;ber den Text behauptet habe, ist immer eng und pr&#228;zise auf diesen bezogen. Zugegeben, zuweilen machen manche S&#228;tze vielleicht den Eindruck der Pauschalit&#228;t, und es gibt gewisser Weiterungen sowohl ins Allgemeine wie ins Pers&#246;nliche. (Etwa an der Stelle, an der ich sagen wollte, meine Weigerung, konformistische Schwule wie Felix usw. zu kennen, sei die Selbstverteidigung eines Marginalisierten; ich hatte es auch gesagt, wie der Kontext zeigen d&#252;rfte, wurde aber trotzdem gr&#252;ndlich missverstanden. „Stefan sieht in sich verteidigenden Marginalisierten eine konformistische Masse“ ist schlichtweg Unfug. ICH bin marginalisiert, weil nicht gen&#252;gend konformistisch, Rehbergs Romanpersonal hingegen ist massenkompatibel, majorit&#228;r und hegemonial. Wie kann man das so ins Gegenteil verdehen?)</p>
<p>Allerdings besteht f&#252;r meine Kritik eine unaufhebbare Schwierigkeit darin, dass man nicht zitieren kann, was nicht da steht. Denn meine Hauptkritikpunkte beziehen sich ja ausdr&#252;cklich darauf, dass „Fag Love“ etwas fehlt: „ohne Substanz“, „weltlos“, „an Wirklichkeit desinteressiert“, ferner „unkritisch“. Wenn man mich nun fragt, wo genau das im Text denn fehlt, k&#246;nnte ich nur antworten: Von der ersten bis zur letzten Seite …</p>
<p>Sehr wohl aber habe ich sehr konkrete Beispiele daf&#252;r genannt, woran es fehlt. Ich sagte, keine Figur sei wirklich individuell, keine habe ein bestimmte Aussehen, einen relevanten Beruf, eine Geschichte. Wie soll ich belegen, dass das fehlt? M&#252;sste man mir nicht im Gegenteil nachweisen, dass es entweder nicht fehlt oder dass das Fehlen kein Mangel, sondern vielleicht gar ein Vorzug des Textes ist?</p>
<p>(Man kann &#252;brigens nicht im Ernst diese dimensionslosen Felixe, Svens, Antons usw. mit den komplexen und pr&#228;gnanten Figuren bei Mann und Dostojewski vergleichen wollen! Wer diese Romane gelesen hat und Menschen, die den Figuren zumindest entfernt &#228;hneln, im Leben nie begegnet ist, macht etwas falsch. Nie ist Dir eine Toni oder ein Christian, ein Smerdjakow oder ein Gro&#223;inquisitor untergekommen, lieber Joachim? Und nie h&#228;ttest Du einen Aljoscha oder einen Morten Schwarzkopf kennenlernen wollen? Seltsam. Wie verschieden man sich doch zu Literatur verhalten kann.)</p>
<p>Ferner habe ich von den Orten gesprochen und dabei ausnahmsweise sogar (minimale) Zitate gebracht. Nach wie vor bin ich der Meinung, dass die Aussage, New York sei „die schwulste Stadt der Welt“ bedeutungslos ist, wenn nicht gesagt oder gezeigt wird, inwiefern New York das ist. Oder man unterstellt, der Autor habe die unkritische Hohlheit, das dumpfe Dahergerede seiner Hauptfigur darstellen wollen. Wenn dem so ist, ist es ihm irgendwie wohl auch gelungen, befriedigt mich in meinem Wissenshunger (Warum redet Felix so &#252;ber New York?) aber &#252;berhaupt nicht.</p>
<p>Hier, in Sachen New York und Berlin, h&#228;tte Joachim also einmal die sehnlichst gew&#252;nschten „Textstellen“ gehabt, &#252;ber die er streiten m&#246;chte, aber mit keinem Wort ist er auf meine Kritik daran eingegangen.</p>
<p>Meinerseits bin ich auf Joachims ausf&#252;hrlich zitiertes Beispiel des „qu&#228;lenden Telefonats“ sehr wohl eingegangen. Ich sagte (anscheinend wird hier manches &#252;berlesen, darum wiederhole ich mich), dass ich eine graphische Darstellung im Unterschied zu einer sprachlichen nicht f&#252;r Literatur halte. Mehr gibt es dazu aus meiner sicht nicht zu sagen.</p>
<p>Joachim schreibt, er h&#228;tte so gern erfahren, was mir nicht gef&#228;llt, welche S&#228;tze weltlos, d&#228;mlich oder banal sind. Das habe ich l&#228;ngst gesagt. Alles und jeder. Das Ganze. Was ist daran so schwer zu kapieren?</p>
<p>„Wer die Welt retten will, muss als erstes einmal mit dem Lesen aufh&#246;ren.“ Bl&#246;dsinn.</p>
<p>(„Immerfort wollte ich, dass ihr mein Hungern bewundert … Ihr sollt es aber nicht bewundern &#8230;. Weil ich hungern muss, ich kann nicht anders … Weil ich nicht die Speise finden konnte, die mir schmeckt.“)</p>
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	</item>
	<item>
		<title>Kommentar zu &#8220;Fag Love&#8221; von Peter Rehberg revisited von Stefan Broniowski</title>
		<link>http://www.schwule-literatur.de/2012/01/fag-love-von-peter-rehberg-revisited/comment-page-1/#comment-147110</link>
		<dc:creator>Stefan Broniowski</dc:creator>
		<pubDate>Wed, 18 Jan 2012 12:18:47 +0000</pubDate>
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		<description>In meiner ber&#252;chtigten Geschw&#228;tzigkeit habe ich wohl Verwirrung gestiftet: Nie w&#228;re es mir eingefallen zu sagen, &quot;Fag Love&quot; sei die &quot;Selbstverteidigung eine Marginalisierten&quot;! Im Gegenteil, ich habe unterstellt, Figuren wie die Rehbergschen und ihre au&#223;erliterarischen Entsprechungen seien in der Mehrheit, und ich, der Randst&#228;ndige, m&#252;sse mich ihrer erwehren, indem ich mich weigere, etwas mit ihnen zu tun haben (sie also nicht kennen will), obwohl sie so vorherrschend sind, dass es es unm&#246;glich ist, sie nicht doch (im &#220;berma&#223;) zu kennen. Dass man meinen Satz (und alles, was aus ihm folgt), anders, n&#228;mlich geradewegs entgegengesetzt, verstehen kann, erstaunt mich.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>In meiner ber&#252;chtigten Geschw&#228;tzigkeit habe ich wohl Verwirrung gestiftet: Nie w&#228;re es mir eingefallen zu sagen, &#8220;Fag Love&#8221; sei die &#8220;Selbstverteidigung eine Marginalisierten&#8221;! Im Gegenteil, ich habe unterstellt, Figuren wie die Rehbergschen und ihre au&#223;erliterarischen Entsprechungen seien in der Mehrheit, und ich, der Randst&#228;ndige, m&#252;sse mich ihrer erwehren, indem ich mich weigere, etwas mit ihnen zu tun haben (sie also nicht kennen will), obwohl sie so vorherrschend sind, dass es es unm&#246;glich ist, sie nicht doch (im &#220;berma&#223;) zu kennen. Dass man meinen Satz (und alles, was aus ihm folgt), anders, n&#228;mlich geradewegs entgegengesetzt, verstehen kann, erstaunt mich.</p>
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	<item>
		<title>Kommentar zu &#8220;Fag Love&#8221; von Peter Rehberg revisited von Joachim+Johanna</title>
		<link>http://www.schwule-literatur.de/2012/01/fag-love-von-peter-rehberg-revisited/comment-page-1/#comment-147109</link>
		<dc:creator>Joachim+Johanna</dc:creator>
		<pubDate>Wed, 18 Jan 2012 11:31:00 +0000</pubDate>
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		<description>Stefan &#228;u&#223;ert hier Meinungen aller Art, den als solchen sehr oft zuzustimmen ist - aber es wird dabei niemals ersichtlich, inwieweit sie sich auf Peter Rehbergs Buch beziehen. &quot;Weltloses Innenleben&quot; wird nur wenige Menschen interessieren, aber hier w&#228;re erst einmal aufzuzeigen, dass Peter Rehberg &#252;ber solche wertlosen Phrasen nicht hinauskommt. Eine Behauptung ist leider kein Argument.

Die Wahl des Personals scheint f&#252;r Stefan besonders wichtig zu sein. Zun&#228;chst trumpft er mit dem Satz auf, &quot;Ich kenne solche Leute nicht&quot; - gemeint sind die Figuren des Romans. Ich muss betr&#252;bt zugeben, dass ich die Buddenbrooks, die Karamasofs, nicht einmal die Lebedews der Weltliteratur &#252;berhaupt nicht kenne, und die meisten davon sicherlich nicht kennen lernen m&#246;chte. Das hat den Wert der Lekt&#252;re jedoch nie gemindert.

Stefan legt dann eine verbl&#252;ffende Bemerkung nach: Von Felix etc. wusste er schon immer mehr, als er wissen wollte. Wohlgemerkt: von Menschen, die er nicht kennt. Hm. Hier liegt evtl. ein neuralgischer Punkt.

Stefan behauptet, &quot;Fag Love&quot; sei &quot;die Selbstverteidigung eines Marginalisierten&quot;. Da w&#252;rden wir beide dann tats&#228;chlich &#252;bereinstimmen, denn in etwa so hatte ich das Buch vorgestellt - eine Selbstverteidigung allerdings, die keine Auseinandersetzung sucht. Es stellt sich jedoch heraus, dass Stefan sich unter einer solchen Selbstverteidigung etwas ganz anderes vorstellt als ich. Mir f&#228;llt dazu sofort der Satz ein: &quot;Immerzu wollte ich, dass ihr mein Hungern bewundert&quot;, aber Stefan sieht in sich verteidigenden Marginalisierten eine konformistische Masse. Insofern gelange ich nur wieder zu der Einsch&#228;tzung meiner ersten Entgegnung: Ihm passt hier ganz einfach die ganze Linie nicht (auch wenn inzwischen Zweifel dar&#252;ber aufgetreten sind, auf wen dieser Satz zur&#252;ckzuf&#252;hren ist). B&#252;cher &#252;ber Menschen, &#252;ber die er mehr wei&#223;, als ihm lieb ist, obwohl er sie nicht kennt, m&#246;chte er nun einmal nicht lesen. Ich h&#228;tte so gern erfahren, was ihm nicht gef&#228;llt, welche S&#228;tze weltlos, d&#228;mlich oder banal sind. Dar&#252;ber kann man streiten. Angesichts dieser gro&#223;en Thesen muss ich nur sagen: ein Roman ist ein Roman ist ein Roman, wer die Welt retten will, muss als erstes einmal mit dem Lesen aufh&#246;ren.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Stefan &#228;u&#223;ert hier Meinungen aller Art, den als solchen sehr oft zuzustimmen ist &#8211; aber es wird dabei niemals ersichtlich, inwieweit sie sich auf Peter Rehbergs Buch beziehen. &#8220;Weltloses Innenleben&#8221; wird nur wenige Menschen interessieren, aber hier w&#228;re erst einmal aufzuzeigen, dass Peter Rehberg &#252;ber solche wertlosen Phrasen nicht hinauskommt. Eine Behauptung ist leider kein Argument.</p>
<p>Die Wahl des Personals scheint f&#252;r Stefan besonders wichtig zu sein. Zun&#228;chst trumpft er mit dem Satz auf, &#8220;Ich kenne solche Leute nicht&#8221; &#8211; gemeint sind die Figuren des Romans. Ich muss betr&#252;bt zugeben, dass ich die Buddenbrooks, die Karamasofs, nicht einmal die Lebedews der Weltliteratur &#252;berhaupt nicht kenne, und die meisten davon sicherlich nicht kennen lernen m&#246;chte. Das hat den Wert der Lekt&#252;re jedoch nie gemindert.</p>
<p>Stefan legt dann eine verbl&#252;ffende Bemerkung nach: Von Felix etc. wusste er schon immer mehr, als er wissen wollte. Wohlgemerkt: von Menschen, die er nicht kennt. Hm. Hier liegt evtl. ein neuralgischer Punkt.</p>
<p>Stefan behauptet, &#8220;Fag Love&#8221; sei &#8220;die Selbstverteidigung eines Marginalisierten&#8221;. Da w&#252;rden wir beide dann tats&#228;chlich &#252;bereinstimmen, denn in etwa so hatte ich das Buch vorgestellt &#8211; eine Selbstverteidigung allerdings, die keine Auseinandersetzung sucht. Es stellt sich jedoch heraus, dass Stefan sich unter einer solchen Selbstverteidigung etwas ganz anderes vorstellt als ich. Mir f&#228;llt dazu sofort der Satz ein: &#8220;Immerzu wollte ich, dass ihr mein Hungern bewundert&#8221;, aber Stefan sieht in sich verteidigenden Marginalisierten eine konformistische Masse. Insofern gelange ich nur wieder zu der Einsch&#228;tzung meiner ersten Entgegnung: Ihm passt hier ganz einfach die ganze Linie nicht (auch wenn inzwischen Zweifel dar&#252;ber aufgetreten sind, auf wen dieser Satz zur&#252;ckzuf&#252;hren ist). B&#252;cher &#252;ber Menschen, &#252;ber die er mehr wei&#223;, als ihm lieb ist, obwohl er sie nicht kennt, m&#246;chte er nun einmal nicht lesen. Ich h&#228;tte so gern erfahren, was ihm nicht gef&#228;llt, welche S&#228;tze weltlos, d&#228;mlich oder banal sind. Dar&#252;ber kann man streiten. Angesichts dieser gro&#223;en Thesen muss ich nur sagen: ein Roman ist ein Roman ist ein Roman, wer die Welt retten will, muss als erstes einmal mit dem Lesen aufh&#246;ren.</p>
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	<item>
		<title>Kommentar zu &#8220;Fag Love&#8221; von Peter Rehberg revisited von Stefan Broniowski</title>
		<link>http://www.schwule-literatur.de/2012/01/fag-love-von-peter-rehberg-revisited/comment-page-1/#comment-147107</link>
		<dc:creator>Stefan Broniowski</dc:creator>
		<pubDate>Sun, 15 Jan 2012 10:00:35 +0000</pubDate>
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		<description>Da au&#223;er Bartholomae und Broniowski niemand Interesse an einer Debatte zu ahben scheint, erlaube ich mir, zu posten, was mir abschlie&#223;end noch einf&#228;llt:

Mir scheint, mein Problem mit Peter Rehbergs „Fag Love“ ist im Grunde keines der Literaturkritik. Denn was diese betrifft, so bin ich ja sogar zuzugeben, dass bei diesem Text Form und Inhalt perfekt zusammenpassen. Nur finde ich eben beides belanglos.
Mein eigentliches Problem ist, wie ich vermute: Ich kenne solche Leute wie (die Romanfiguren) Felix, Sven, Anton, Jack usw. nicht. Das hei&#223;t, ich kenne sie sehr wohl oder k&#246;nnte sie zumindest kennen, aber ich m&#246;chte sie nicht kennen und habe es, wenn ich ihnen im wirklichen Leben begegnete, stets vorgezogen, nichts mit ihnen zu tun zu haben. Das deshalb, weil wir sowieso nichts miteinander gemein haben und weder ich f&#252;r sie noch sie f&#252;r mich in irgendeiner Hinsicht interessant sind.
Man mag es f&#252;r &#252;berheblich halten, dass ich mit Leuten wie Felix, Sven, Anton, Jack usw. nichts zu tun haben m&#246;chte. Es k&#246;nnte den Anschein haben, als hielte ich mich f&#252;r besser als bestimmte Leute. Aber selbst wenn dem so w&#228;re, geht es darum nicht. Tats&#228;chlich handelt es sich vor allem um Selbstverteidigung eines Marginalisierten. Solche Leute, behaupte ich, sind f&#252;r mich eine ernstzunehmende Bedrohung, denn sie sind in der Minderheit die Mehrheit. Sie beanspruchen und erhalten den Raum und die Aufmerksamkeit, den und die ich gern anders vergeben s&#228;he. Sie bilden die konformistische Masse, die verhindert, dass die Schwulen eine revolution&#228;re Avantgarde sind.
Wie bitte? Meine ich das ernst? Irgendwie schon. Ich bin ja oldschool (sagt man noch so?). Mein Fehler: Ich werde darum wohl nie verstehen, was anderen anscheinend das Allerselbstverst&#228;ndlichste ist, dass man n&#228;mlich zugleich abweichend sein und angepasst sein wollen kann. Ich f&#252;r meinen Teil will nicht, dass die Verh&#228;ltnisse so sind, wie sie sind, und will mich nicht, zumindest nicht kommentarlos (um nicht zu sagen: nicht ohne Widerstand) in sie einf&#252;gen oder einf&#252;gen lassen. Ein „schwuler Blick“, mit dem auch nichts anderes und nichts anders zu sehen ist als mit einem nichtschwulen, interessiert mich darum nicht. 
Andere sagen gern, sie h&#228;tten sich nicht ausgesucht, schwul zu sein. Nun denn, darauf sage ich, ich habe mir meine politischen &#220;berzeugungen auch nicht ausgesucht, sie werden mir von den Verh&#228;ltnisse aufgedr&#228;ngt, ich muss schlichtweg dagegen sein. Aber offenbar liegt dem doch noch etwas voraus, n&#228;mlich der himmelschreiende Mangel an Bereitschaft, den &#220;beln dieser Welt zuzustimmen. &#196;sthetisches und Politisches, Schwulsein und Anarchismus haben f&#252;r mich immer aufs Engste zusammengeh&#246;rt und sind f&#252;r mich im Letzten sogar dasselbe. Damit stehe ich, ich wei&#223; es nur zu gut, allein auf weiter Flur. Aber reden wir nicht von mir. Reden wir von Literatur.
Wozu liest man Belletristik? Jeder hat da seine eigenen Gr&#252;nde. Man m&#246;chte, dass Texte einen informieren, unterhalten, beruhigen, aufgeilen, belehren, langweilen, best&#228;tigen, absto&#223;en, verst&#246;ren usw. usf. Das hei&#223;t, manches davon m&#246;chte man (in einer bestimmten Lage oder immer), manches nicht. Was ich je und je m&#246;chte, ist durchaus auch Geschmackssache, aber nicht nur. Vorlieben k&#246;nnen, wenn sie reflektiert und kritisiert werden, sehr wohl zu objektiven Kriterien f&#252;hren. Dann kann man mit anderen dar&#252;ber streiten. &#220;ber blo&#223;e Geschm&#228;cker soll man das ja nicht.
Mir scheint nun, dass „Fag Love“ ein vermutlich sehr gut gelungenes Buch ist f&#252;r Leuten wie Felix, Sven, Anton, Jack usw. Die werden sich, vermute ich, darin wiederfinden. Ich jedoch will mich in B&#252;chern nicht wiederfinden. Wenn ich ein literarisches Werk lese, will etwas erfahren, was ich ohne diese Lekt&#252;re nicht erfahren h&#228;tte. Von Leuten wie Felix, Sven, Anton, Jack usw. zum Beispiel wusste ich schon vorher mehr, als ich je wissen wollte.
Ich werde mich h&#252;ten, hier jetzt mit dem Kafka-Zitat anzukommen, ein Buch m&#252;sse eine Axt sein f&#252;r das gefrorene Meer in uns. Ich sage blo&#223;: Ich bevorzuge B&#252;cher, die sich zur Wirklichkeit querstellen oder mich, indem sie sich auf herausfordernde Art nicht querstellen, dazu n&#246;tigen, mein Querstehen zu &#252;berdenken.
„Fag Love“ ist durch und durch konformistisch. Was die Figuren dieses Textes denken, sagen, tun und die Art und Weise, wie dies mitgeteilt wird, steht in keinerlei Widerspruch zu den herrschenden Verh&#228;ltnissen. Nein, ein Roman muss nicht zwangsl&#228;ufig von Waldsterben und Welthunger handeln, um erlaubt zu sein. Im Gegenteil. Es d&#252;rfen sogar die allerbanalsten, ja scheinbar v&#246;llig unpolitische Stoffe sein, die gestaltet werden. Aber um mich nicht zu langweilen und abzusto&#223;en, sollte ein literarischer Text doch wenigstens in irgendeiner Hinsicht ein klitzekleines bisschen wider den Stachel l&#246;cken.
„Fag Love“ ist, wenn ich das so sagen darf, ein Groschenheft auf hohem technischen Niveau. Auch von solchen Texten werden ihre Leser wohl sagen, sie seien intensiv und z&#246;gen sie in ihren Bann. Und sie werden nicht Unrecht haben, wie auch die Leser von „Fag Love“, die ihr Leseerlebnis so beschreiben, nicht Unrecht haben. Falsch aber ist es, wenn gesagt wird, schlechterdings jeder werde von der Intensit&#228;t in den Bann gezogen. Mindestens einer wurde das n&#228;mlich nicht.
Da hilft es nichts, mir aufzuzeigen, wie gut gemacht der Text ist. Auch Werbespots k&#246;nnen verdammt gut gemacht sein, aber dass ich das bemerke, hei&#223;t nicht, dass ich das beworbene Produkt auch kaufen will, was ja wohl der Zweck der Werbung sein d&#252;rfte. Im Gegenteil, je raffinierter der Werbespot zu etwas ist, das ich f&#252;r &#252;berfl&#252;ssig oder gar sch&#228;dlich halte, umso gr&#246;&#223;er ist mein &#196;rger, Ekel, Widerspruch. Zwar passen in solchen F&#228;llen Form (Raffinesse) und Inhalt (Drecksprodukt) perfekt zusammen, aber ich bin trotzdem dagegen.
Da meiner Wahrnehmung nach Rehbergs Text der Substanz entbehrt, also des relevanten Stoffes, halte ich mich in erster Linie daran, was mir die Form, in der das Banale pr&#228;sentiert wird, zu kommunizieren scheint. Und da finde ich die Werbetextformel von der „vorbehaltlosen Bejahung der Popkultur“ zutreffend, sie bringt f&#252;r mich das, was mir in jeder Hinsicht (also &#228;sthetisch, emotional, intellektuell) an diesem Buch zuwider ist, auf den Punkt. Die Art und Weise, in der Rehbergs Text geschrieben ist, ist ein st&#228;ndiger Appell zur unkritischen Hinnahme, zur Geistlosigkeit, zu dem, was man fr&#252;her mal „falsches Bewusstsein“ genannt hat. Mich spricht das nicht an. Der Aufruf verfehlt mich.
„Fag Love“ verf&#252;gt, nehme ich als Unberufener einmal an, &#252;ber die Intensit&#228;t eines Werbespots, einer Bildzeitungsschlagzeile oder eben eines popsongs. Und ist derlei auch noch so geschickt gemacht, bei mir verpufft der mutma&#223;lich beabsichtigte Effekt in der Regel trotzdem. Nach wie vor bin ich &#252;berzeugt, dass nicht jeder Text f&#252;r jeden geschrieben ist. Nicht Literatur als solche „f&#252;hrt, wohin sie will“, sofern man f&#252;r sie offen ist, nur gute Literatur schafft das. Weniger gute Literatur erzeugt — bei mir jedenfalls — blo&#223; Widerwillen gegen&#252;ber ihren Verf&#252;hrungsversuchen. Dorthin n&#228;mlich, wohin mich meinem Eindruck nach „Fag Love“ f&#252;hren will, will ich gar nicht. Und wollte ich nie. Ich war schon mal dort (oder zumindest nah dran), und es hat mir ganz und gar nicht gefallen.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Da au&#223;er Bartholomae und Broniowski niemand Interesse an einer Debatte zu ahben scheint, erlaube ich mir, zu posten, was mir abschlie&#223;end noch einf&#228;llt:</p>
<p>Mir scheint, mein Problem mit Peter Rehbergs „Fag Love“ ist im Grunde keines der Literaturkritik. Denn was diese betrifft, so bin ich ja sogar zuzugeben, dass bei diesem Text Form und Inhalt perfekt zusammenpassen. Nur finde ich eben beides belanglos.<br />
Mein eigentliches Problem ist, wie ich vermute: Ich kenne solche Leute wie (die Romanfiguren) Felix, Sven, Anton, Jack usw. nicht. Das hei&#223;t, ich kenne sie sehr wohl oder k&#246;nnte sie zumindest kennen, aber ich m&#246;chte sie nicht kennen und habe es, wenn ich ihnen im wirklichen Leben begegnete, stets vorgezogen, nichts mit ihnen zu tun zu haben. Das deshalb, weil wir sowieso nichts miteinander gemein haben und weder ich f&#252;r sie noch sie f&#252;r mich in irgendeiner Hinsicht interessant sind.<br />
Man mag es f&#252;r &#252;berheblich halten, dass ich mit Leuten wie Felix, Sven, Anton, Jack usw. nichts zu tun haben m&#246;chte. Es k&#246;nnte den Anschein haben, als hielte ich mich f&#252;r besser als bestimmte Leute. Aber selbst wenn dem so w&#228;re, geht es darum nicht. Tats&#228;chlich handelt es sich vor allem um Selbstverteidigung eines Marginalisierten. Solche Leute, behaupte ich, sind f&#252;r mich eine ernstzunehmende Bedrohung, denn sie sind in der Minderheit die Mehrheit. Sie beanspruchen und erhalten den Raum und die Aufmerksamkeit, den und die ich gern anders vergeben s&#228;he. Sie bilden die konformistische Masse, die verhindert, dass die Schwulen eine revolution&#228;re Avantgarde sind.<br />
Wie bitte? Meine ich das ernst? Irgendwie schon. Ich bin ja oldschool (sagt man noch so?). Mein Fehler: Ich werde darum wohl nie verstehen, was anderen anscheinend das Allerselbstverst&#228;ndlichste ist, dass man n&#228;mlich zugleich abweichend sein und angepasst sein wollen kann. Ich f&#252;r meinen Teil will nicht, dass die Verh&#228;ltnisse so sind, wie sie sind, und will mich nicht, zumindest nicht kommentarlos (um nicht zu sagen: nicht ohne Widerstand) in sie einf&#252;gen oder einf&#252;gen lassen. Ein „schwuler Blick“, mit dem auch nichts anderes und nichts anders zu sehen ist als mit einem nichtschwulen, interessiert mich darum nicht.<br />
Andere sagen gern, sie h&#228;tten sich nicht ausgesucht, schwul zu sein. Nun denn, darauf sage ich, ich habe mir meine politischen &#220;berzeugungen auch nicht ausgesucht, sie werden mir von den Verh&#228;ltnisse aufgedr&#228;ngt, ich muss schlichtweg dagegen sein. Aber offenbar liegt dem doch noch etwas voraus, n&#228;mlich der himmelschreiende Mangel an Bereitschaft, den &#220;beln dieser Welt zuzustimmen. &#196;sthetisches und Politisches, Schwulsein und Anarchismus haben f&#252;r mich immer aufs Engste zusammengeh&#246;rt und sind f&#252;r mich im Letzten sogar dasselbe. Damit stehe ich, ich wei&#223; es nur zu gut, allein auf weiter Flur. Aber reden wir nicht von mir. Reden wir von Literatur.<br />
Wozu liest man Belletristik? Jeder hat da seine eigenen Gr&#252;nde. Man m&#246;chte, dass Texte einen informieren, unterhalten, beruhigen, aufgeilen, belehren, langweilen, best&#228;tigen, absto&#223;en, verst&#246;ren usw. usf. Das hei&#223;t, manches davon m&#246;chte man (in einer bestimmten Lage oder immer), manches nicht. Was ich je und je m&#246;chte, ist durchaus auch Geschmackssache, aber nicht nur. Vorlieben k&#246;nnen, wenn sie reflektiert und kritisiert werden, sehr wohl zu objektiven Kriterien f&#252;hren. Dann kann man mit anderen dar&#252;ber streiten. &#220;ber blo&#223;e Geschm&#228;cker soll man das ja nicht.<br />
Mir scheint nun, dass „Fag Love“ ein vermutlich sehr gut gelungenes Buch ist f&#252;r Leuten wie Felix, Sven, Anton, Jack usw. Die werden sich, vermute ich, darin wiederfinden. Ich jedoch will mich in B&#252;chern nicht wiederfinden. Wenn ich ein literarisches Werk lese, will etwas erfahren, was ich ohne diese Lekt&#252;re nicht erfahren h&#228;tte. Von Leuten wie Felix, Sven, Anton, Jack usw. zum Beispiel wusste ich schon vorher mehr, als ich je wissen wollte.<br />
Ich werde mich h&#252;ten, hier jetzt mit dem Kafka-Zitat anzukommen, ein Buch m&#252;sse eine Axt sein f&#252;r das gefrorene Meer in uns. Ich sage blo&#223;: Ich bevorzuge B&#252;cher, die sich zur Wirklichkeit querstellen oder mich, indem sie sich auf herausfordernde Art nicht querstellen, dazu n&#246;tigen, mein Querstehen zu &#252;berdenken.<br />
„Fag Love“ ist durch und durch konformistisch. Was die Figuren dieses Textes denken, sagen, tun und die Art und Weise, wie dies mitgeteilt wird, steht in keinerlei Widerspruch zu den herrschenden Verh&#228;ltnissen. Nein, ein Roman muss nicht zwangsl&#228;ufig von Waldsterben und Welthunger handeln, um erlaubt zu sein. Im Gegenteil. Es d&#252;rfen sogar die allerbanalsten, ja scheinbar v&#246;llig unpolitische Stoffe sein, die gestaltet werden. Aber um mich nicht zu langweilen und abzusto&#223;en, sollte ein literarischer Text doch wenigstens in irgendeiner Hinsicht ein klitzekleines bisschen wider den Stachel l&#246;cken.<br />
„Fag Love“ ist, wenn ich das so sagen darf, ein Groschenheft auf hohem technischen Niveau. Auch von solchen Texten werden ihre Leser wohl sagen, sie seien intensiv und z&#246;gen sie in ihren Bann. Und sie werden nicht Unrecht haben, wie auch die Leser von „Fag Love“, die ihr Leseerlebnis so beschreiben, nicht Unrecht haben. Falsch aber ist es, wenn gesagt wird, schlechterdings jeder werde von der Intensit&#228;t in den Bann gezogen. Mindestens einer wurde das n&#228;mlich nicht.<br />
Da hilft es nichts, mir aufzuzeigen, wie gut gemacht der Text ist. Auch Werbespots k&#246;nnen verdammt gut gemacht sein, aber dass ich das bemerke, hei&#223;t nicht, dass ich das beworbene Produkt auch kaufen will, was ja wohl der Zweck der Werbung sein d&#252;rfte. Im Gegenteil, je raffinierter der Werbespot zu etwas ist, das ich f&#252;r &#252;berfl&#252;ssig oder gar sch&#228;dlich halte, umso gr&#246;&#223;er ist mein &#196;rger, Ekel, Widerspruch. Zwar passen in solchen F&#228;llen Form (Raffinesse) und Inhalt (Drecksprodukt) perfekt zusammen, aber ich bin trotzdem dagegen.<br />
Da meiner Wahrnehmung nach Rehbergs Text der Substanz entbehrt, also des relevanten Stoffes, halte ich mich in erster Linie daran, was mir die Form, in der das Banale pr&#228;sentiert wird, zu kommunizieren scheint. Und da finde ich die Werbetextformel von der „vorbehaltlosen Bejahung der Popkultur“ zutreffend, sie bringt f&#252;r mich das, was mir in jeder Hinsicht (also &#228;sthetisch, emotional, intellektuell) an diesem Buch zuwider ist, auf den Punkt. Die Art und Weise, in der Rehbergs Text geschrieben ist, ist ein st&#228;ndiger Appell zur unkritischen Hinnahme, zur Geistlosigkeit, zu dem, was man fr&#252;her mal „falsches Bewusstsein“ genannt hat. Mich spricht das nicht an. Der Aufruf verfehlt mich.<br />
„Fag Love“ verf&#252;gt, nehme ich als Unberufener einmal an, &#252;ber die Intensit&#228;t eines Werbespots, einer Bildzeitungsschlagzeile oder eben eines popsongs. Und ist derlei auch noch so geschickt gemacht, bei mir verpufft der mutma&#223;lich beabsichtigte Effekt in der Regel trotzdem. Nach wie vor bin ich &#252;berzeugt, dass nicht jeder Text f&#252;r jeden geschrieben ist. Nicht Literatur als solche „f&#252;hrt, wohin sie will“, sofern man f&#252;r sie offen ist, nur gute Literatur schafft das. Weniger gute Literatur erzeugt — bei mir jedenfalls — blo&#223; Widerwillen gegen&#252;ber ihren Verf&#252;hrungsversuchen. Dorthin n&#228;mlich, wohin mich meinem Eindruck nach „Fag Love“ f&#252;hren will, will ich gar nicht. Und wollte ich nie. Ich war schon mal dort (oder zumindest nah dran), und es hat mir ganz und gar nicht gefallen.</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Kommentar zu &#8220;Fag Love&#8221; von Peter Rehberg revisited von Stefan Broniowski</title>
		<link>http://www.schwule-literatur.de/2012/01/fag-love-von-peter-rehberg-revisited/comment-page-1/#comment-147106</link>
		<dc:creator>Stefan Broniowski</dc:creator>
		<pubDate>Sat, 07 Jan 2012 15:02:03 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.schwule-literatur.de/?p=422#comment-147106</guid>
		<description>Molekularliteratur oder Agitprop, was f&#252;r eine Alternative! So sind denn also „Madame Bovary“, der „Ulysses“, der „Zauberberg“ und nicht zuletzt die „Recherche“ blo&#223; „ziemlich peinlich“? Oder welche „gro&#223;en Meisterwerk der Literatur“ w&#228;ren heranzuziehen, um die absonderliche Behauptung zu st&#252;tzen, es gebe solche unter ihnen, die lediglich mit dem weltlosen Innenleben der Hauptfigur befasst sind? Selbst bei Beckett oder Bernhard findet sich nichts dergleichen. Aber vielleicht habe ich ja in den letzten Jahrzehnten etwas Wichtiges verpasst, besonders beim Fast-Food-Geschreibsel, von dem die Buchhandlungen &#252;berquellen …

Wenn es tats&#228;chlich, wie ich hier &#252;berraschend erfahre, weder falsche Leser gibt noch falsche Texte (falsche Autoren, lieber Joachim, gibt es sehr wohl, siehe Guttenberg), dann bin ich zwar der richtige Leser am richtigen Text, mache aber dennoch etwas Entscheidendes falsch. Anders ist es ja auch nicht zu erkl&#228;ren, dass ich von der „Intensit&#228;t“, die angeblich „jeden in ihren Bann zieht“, nichts bemerkt habe und v&#246;llig ungebannt geblieben bin. Wieso sonst schmecke ich blo&#223; langweilige Zucherwatte, wo es doch aufregende Molekulark&#252;che serviert wurde?

Zwar war ich bisher der Meinung, ich sei unvoreingenommen und ohne Erwartungen, wenn auch nicht ohne Erfahrungen, an „Fag Love“ herangegangen, einfach, weil ich wissen wollte, inwiefern das „verdammt gute Literatur“ (Bartholomae &#252;ber Rehberg) ist. Aber nun wurde ich ja meiner ziemlich schlichten und altbackenen Vorurteile &#252;berf&#252;hrt. Blo&#223; dass ich diese so gar nicht als die meinigen wiederkenne …

Mein „Vorurteil“ lautet n&#228;mlich nicht, wer kurze Abs&#228;tze mache, sei wichtigtuerisch. Sondern: Ich h&#228;tte gern, dass Texte Substanz haben. Das „Kunstst&#252;ck, Statements und Gedanken so zu arrangieren, dass sie ohne beschreibende, einordnende Zwischentexte auskommen“ kann ich als solches, n&#228;mlich als Kunstst&#252;ck, nicht erkennen oder w&#252;rdigen, daf&#252;r bin ich wohl zu bl&#246;d. Meine &#252;bertreibende Gegenthese: Gelungene Prosa besteht &#252;berhaupt nur aus Zwischentexten.

Die m&#252;ssen &#252;brigens nicht unbedingt dastehen. Sie k&#246;nnen sich auch zwischen den Zeilen ereignen. Aber bei „Fag Love“ ist daf&#252;r kein Platz, weil den schon die stoffliche Leere beansprucht. Der Text hat nichts zu sagen. Das vermittelt er allerdings tats&#228;chlich makellos. Wenn diese Schreibweise aber ein Experiment sein soll, halte ich es f&#252;r gescheitert oder &#252;berfl&#252;ssig, was — denn Experimente macht man ja wohl, um etwas herauszubekommen — dasselbe ist.

Ein weiteres Vorurteil, zu dem ich mich rundheraus bekenne: Wenn Autor das Qu&#228;lende eines „qu&#228;lenden Telefonats“ nicht sprachlich, sondern &#252;ber das Satzbild zu vermitteln versucht, dann handelt es sich nicht um Literatur, sondern um Graphik. Oder meinetwegen um einen Grenzgang zwischen bildender Kunst und Literatur. Dagegen ist f&#252;r sich genommen nichts einzuwenden, Mallarmé, Apollinaire, Morgenstern, Gomringer usw. usf. haben derlei einst gemacht. Aber „verdammt gute Literatur“ w&#252;rde ich das bei allem Respekt nicht nennen.

Auch darin bin ich voreingenommen: Das Rearrangement von Banalit&#228;ten muss keineswegs selbst wieder banal sein. Bei „Fag Love“ freilich scheint mir das der Fall. Die Form, in der Rehberg das Triviale pr&#228;sentiert, gewinnt diesem nichts ab, f&#252;gt ihm nichts hinzu, im Gegenteil, alles, was an der Begebenheit und Gegebenheit des Vorkommenden (um nicht „des Erz&#228;hlten“ zu sagen) die Sinne oder den Intellekt ansprechen k&#246;nnte, wird abgezogen. Wenn das Kunst ist, ziehe ich tats&#228;chlich Agitprop vor.

Nein, im Ernst. ich lasse mich doch hier nicht zum Lukács machen. Auch habe ich mir noch nie gew&#252;nscht, Dichter sollten die Welt durchschauen. (Zumal ich, um ein Missverst&#228;ndnis richtigzustellen, den ber&#252;chtigten „schwulen Blick“ dem Text, genauer. der Figur Felix, nicht also dem Autor Peter Rehberg zugeordnet habe.) Brrr, schlimme Vorstellung!

Meine Frage ist aber nach wie vor: Wozu wird ein Buch wie „Fag Love“ geschrieben? Was bietet es einem Leser, das der nicht schon vorher hatte? Mich hat es nur — tats&#228;chlich „auf ganzer Linie“ — gelangweilt und unbeeindruckt gelassen. Umso mehr erstaunt mich die Begeisterung, die das Buch anscheinend bei manchen ausl&#246;st. Ich verstehe sie immer noch nicht. Tolle Satzbildakrobatik gen&#252;gt mir nicht als Argument. Ich m&#246;chte immer noch ganz naiv wissen: Wozu der Aufwand?

Oder anders gesagt, die Formulierung Joachims aufgreifend: Wohin will mich „Fag Love“ f&#252;hren? (Ich f&#252;rchte, ich war schon dort, und es hat mir nicht gefallen.)</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Molekularliteratur oder Agitprop, was f&#252;r eine Alternative! So sind denn also „Madame Bovary“, der „Ulysses“, der „Zauberberg“ und nicht zuletzt die „Recherche“ blo&#223; „ziemlich peinlich“? Oder welche „gro&#223;en Meisterwerk der Literatur“ w&#228;ren heranzuziehen, um die absonderliche Behauptung zu st&#252;tzen, es gebe solche unter ihnen, die lediglich mit dem weltlosen Innenleben der Hauptfigur befasst sind? Selbst bei Beckett oder Bernhard findet sich nichts dergleichen. Aber vielleicht habe ich ja in den letzten Jahrzehnten etwas Wichtiges verpasst, besonders beim Fast-Food-Geschreibsel, von dem die Buchhandlungen &#252;berquellen …</p>
<p>Wenn es tats&#228;chlich, wie ich hier &#252;berraschend erfahre, weder falsche Leser gibt noch falsche Texte (falsche Autoren, lieber Joachim, gibt es sehr wohl, siehe Guttenberg), dann bin ich zwar der richtige Leser am richtigen Text, mache aber dennoch etwas Entscheidendes falsch. Anders ist es ja auch nicht zu erkl&#228;ren, dass ich von der „Intensit&#228;t“, die angeblich „jeden in ihren Bann zieht“, nichts bemerkt habe und v&#246;llig ungebannt geblieben bin. Wieso sonst schmecke ich blo&#223; langweilige Zucherwatte, wo es doch aufregende Molekulark&#252;che serviert wurde?</p>
<p>Zwar war ich bisher der Meinung, ich sei unvoreingenommen und ohne Erwartungen, wenn auch nicht ohne Erfahrungen, an „Fag Love“ herangegangen, einfach, weil ich wissen wollte, inwiefern das „verdammt gute Literatur“ (Bartholomae &#252;ber Rehberg) ist. Aber nun wurde ich ja meiner ziemlich schlichten und altbackenen Vorurteile &#252;berf&#252;hrt. Blo&#223; dass ich diese so gar nicht als die meinigen wiederkenne …</p>
<p>Mein „Vorurteil“ lautet n&#228;mlich nicht, wer kurze Abs&#228;tze mache, sei wichtigtuerisch. Sondern: Ich h&#228;tte gern, dass Texte Substanz haben. Das „Kunstst&#252;ck, Statements und Gedanken so zu arrangieren, dass sie ohne beschreibende, einordnende Zwischentexte auskommen“ kann ich als solches, n&#228;mlich als Kunstst&#252;ck, nicht erkennen oder w&#252;rdigen, daf&#252;r bin ich wohl zu bl&#246;d. Meine &#252;bertreibende Gegenthese: Gelungene Prosa besteht &#252;berhaupt nur aus Zwischentexten.</p>
<p>Die m&#252;ssen &#252;brigens nicht unbedingt dastehen. Sie k&#246;nnen sich auch zwischen den Zeilen ereignen. Aber bei „Fag Love“ ist daf&#252;r kein Platz, weil den schon die stoffliche Leere beansprucht. Der Text hat nichts zu sagen. Das vermittelt er allerdings tats&#228;chlich makellos. Wenn diese Schreibweise aber ein Experiment sein soll, halte ich es f&#252;r gescheitert oder &#252;berfl&#252;ssig, was — denn Experimente macht man ja wohl, um etwas herauszubekommen — dasselbe ist.</p>
<p>Ein weiteres Vorurteil, zu dem ich mich rundheraus bekenne: Wenn Autor das Qu&#228;lende eines „qu&#228;lenden Telefonats“ nicht sprachlich, sondern &#252;ber das Satzbild zu vermitteln versucht, dann handelt es sich nicht um Literatur, sondern um Graphik. Oder meinetwegen um einen Grenzgang zwischen bildender Kunst und Literatur. Dagegen ist f&#252;r sich genommen nichts einzuwenden, Mallarmé, Apollinaire, Morgenstern, Gomringer usw. usf. haben derlei einst gemacht. Aber „verdammt gute Literatur“ w&#252;rde ich das bei allem Respekt nicht nennen.</p>
<p>Auch darin bin ich voreingenommen: Das Rearrangement von Banalit&#228;ten muss keineswegs selbst wieder banal sein. Bei „Fag Love“ freilich scheint mir das der Fall. Die Form, in der Rehberg das Triviale pr&#228;sentiert, gewinnt diesem nichts ab, f&#252;gt ihm nichts hinzu, im Gegenteil, alles, was an der Begebenheit und Gegebenheit des Vorkommenden (um nicht „des Erz&#228;hlten“ zu sagen) die Sinne oder den Intellekt ansprechen k&#246;nnte, wird abgezogen. Wenn das Kunst ist, ziehe ich tats&#228;chlich Agitprop vor.</p>
<p>Nein, im Ernst. ich lasse mich doch hier nicht zum Lukács machen. Auch habe ich mir noch nie gew&#252;nscht, Dichter sollten die Welt durchschauen. (Zumal ich, um ein Missverst&#228;ndnis richtigzustellen, den ber&#252;chtigten „schwulen Blick“ dem Text, genauer. der Figur Felix, nicht also dem Autor Peter Rehberg zugeordnet habe.) Brrr, schlimme Vorstellung!</p>
<p>Meine Frage ist aber nach wie vor: Wozu wird ein Buch wie „Fag Love“ geschrieben? Was bietet es einem Leser, das der nicht schon vorher hatte? Mich hat es nur — tats&#228;chlich „auf ganzer Linie“ — gelangweilt und unbeeindruckt gelassen. Umso mehr erstaunt mich die Begeisterung, die das Buch anscheinend bei manchen ausl&#246;st. Ich verstehe sie immer noch nicht. Tolle Satzbildakrobatik gen&#252;gt mir nicht als Argument. Ich m&#246;chte immer noch ganz naiv wissen: Wozu der Aufwand?</p>
<p>Oder anders gesagt, die Formulierung Joachims aufgreifend: Wohin will mich „Fag Love“ f&#252;hren? (Ich f&#252;rchte, ich war schon dort, und es hat mir nicht gefallen.)</p>
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	</item>
	<item>
		<title>Kommentar zu &#8220;Fag Love&#8221; von Peter Rehberg revisited von Joachim+Johanna</title>
		<link>http://www.schwule-literatur.de/2012/01/fag-love-von-peter-rehberg-revisited/comment-page-1/#comment-147105</link>
		<dc:creator>Joachim+Johanna</dc:creator>
		<pubDate>Fri, 06 Jan 2012 15:28:39 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.schwule-literatur.de/?p=422#comment-147105</guid>
		<description>Zu Zeiten von Karl Kraus begr&#252;ndete der Polizeichef von Wien seine Abneigung gegen dessen „Fackel“ mit den ber&#252;hmten Worten: „Mir passt die ganze Linie nicht.“ Stefan „passt“ Peter Rehbergs Buch auf der ganzen Linie nicht, er schreibt, er sei f&#252;r dieses Buch offenbar der falsche Leser. Vor wenigen Jahren, als wir die Anthologie „Schwule Nachbarn“ zusammenstellten und deutsche Autoren fragten, warum in ihren B&#252;chern solche Nachbarn vollst&#228;ndig fehlten, erwiderte Thomas Hettche, er f&#252;hle sich daf&#252;r nicht zust&#228;ndig. F&#252;r mich klingen beide &#196;u&#223;erungen merkw&#252;rdig, ich glaube weder an falsche Leser noch an falsche Autoren. Die Literatur f&#252;hrt, wohin sie will, solange man sich vor Vorurteilen und Klischees h&#252;tet.
„Wer kurze Abs&#228;tze macht, ist wichtigtuerisch“ ist ein solches Vorurteil. Angenommen, der Zusammenhang besteht wirklich, dann k&#246;nnte man die Wichtigtuerei doch sicher auch ohne Bezug zum Schriftbild nachweisen, und ein solcher Nachweis w&#228;re sicherlich aufschlussreicher. Wenn ich dieses Schriftbild sehe, dann frage ich mich, was der Autor wohl damit bezweckt, und lese den Text, z.B. ein wirklich extremes Beispiel auf Seite 87:

«Ich habe Anton beim lesbisch-schwulen Stra&#223;enfest in Sch&#246;neberg getroffen», sagte er als Erstes am Telefon.
Da w&#228;r ich jetzt auch gern, dachte ich, aber sagte nichts.
Warum erz&#228;hlte er mir das?
Ich wollte es gar nicht h&#246;ren.

«Er sah gut aus.»
«Bisschen blond, wei&#223;t du ja.»
«Aber gut.»

Das wollte ich bestimmt nicht h&#246;ren.

«Berliner Schwucken hysterisch vom Drogennehmen.»
«Wei&#223;t du ja, warst ja hier.»

Bisschen Hysterie in der neuen Umgebung w&#228;re mir gerade ganz lieb, dachte ich und dachte an meine Fernsehnacht in der Bar in Boystown.

«Ich habe ihn gefragt, warum er nicht mit dir gesprochen hat.»

Ich finde dich nicht mehr so sch&#246;n.
Mein Gef&#252;hl ist nicht mehr so stark.
Ich kann nicht mehr.

So isses halt.

Du willst doch nicht meinetwegen in Berlin bleiben, oder?

Oder hast du es etwa immer noch nicht kapiert?

Ist das pathetisch und gro&#223;tuerisch? Ich w&#252;rde sagen, es ist ein qu&#228;lendes Telefonat, in das hinein der Erz&#228;hler seine Erinnerungen an ein ebenfalls qu&#228;lendes Gespr&#228;ch einbaut. Anton, der Freund, der ihn verl&#228;sst, macht in diesem Gespr&#228;ch drei Statements:
Ich finde dich nicht mehr so sch&#246;n.
Mein Gef&#252;hl ist nicht mehr so stark.
Ich kann nicht mehr.
Sehr wahrscheinlich wurden diese drei S&#228;tze nicht einfach so nacheinander gesprochen, und wenn doch, dann hat der Sprecher dazwischen Pausen gemacht und neu angesetzt. Oder der Erz&#228;hler hat diese drei Gr&#252;nde, sich zu trennen, aus einem l&#228;ngeren Gespr&#228;ch isoliert. Beides sind gute Gr&#252;nde, den Lesefluss zu unterbrechen.
Darauf folgt eine l&#228;ngere Pause, in der Anton &#252;berlegt, ob er dem Ex diese Entscheidung irgendwie leichter ertr&#228;glich machen kann, aber es f&#228;llt ihm nichts ein:
So isses halt.
W&#228;hrend der Erz&#228;hler gepl&#228;ttet ist und nichts erwidert, denkt Anton jetzt weiter. Sein Freund ist nach mehreren Jahren, die er in New York verbracht hat, nach Berlin zur&#252;ckgekommen, wie der Leser inzwischen wei&#223;, hat er sich im Konflikt Anton vs. New York f&#252;r Anton entschieden. Anton wei&#223;t die Verantwortung f&#252;r die Entscheidung des Erz&#228;hlers zur&#252;ck:
Du willst doch nicht meinetwegen in Berlin bleiben, oder?
Stefan bezeichnet Peter Rehbergs Schreibweise als durch und durch konventionell. Das mag er so sehen, solche Urteile sind wohl Geschmackssache. Ich w&#252;rde sagen, der Text vollbringt das Kunstst&#252;ck, Statements und Gedanken so zu arrangieren, dass sie ohne beschreibende, einordnende Zwischentexte auskommen – „Fag Love“ ist in gewisser Hinsicht wie ein Theaterst&#252;ck, das auch ohne das B&#252;hnenspektakel jederzeit einen pr&#228;zisen Eindruck vermittelt. Mir f&#228;llt noch der Vergleich zur Molekulark&#252;che ein: wer ein saftiges Steak erwartet, wird entt&#228;uscht sein, aber ein Gourmet wird die Qualit&#228;ten der gefrosteten Essenzen trotzdem zu sch&#228;tzen wissen, auch wenn er anderes lieber isst. 

Das ist es auch, was wir in der Werbung als „Pr&#228;zision“ bezeichnen, ein Kriterium, mit dem Stefan nichts anfangen kann, obwohl es genau das leistet, was er verlangt: die Relation von Zweck und Mittel anzugeben. Walter Foelske, ein Autor, den ich zutiefst verehre, treibt seine Leser mit einer geradezu haarstr&#228;ubenden Ungenauigkeit in den Wahnsinn, indem er formuliert, zweifelt, neu formuliert, oder seine Figuren unentwegt S&#228;tze schreiben und wieder durchstreichen l&#228;sst. Beide Autoren verwenden ganz unterschiedliche Mittel f&#252;r ihre Zwecke, das Mittel, das Peter Rehberg bevorzugt, ist das der Pr&#228;zision. Ich w&#252;rde sagen, das oben stehende Beispiel kann auch das recht gut verdeutlichen.

Peter Rehberg hat sich einen literarischen Scherz erlaubt, indem er „Fag Love“ als reine Ansammlung von Fu&#223;noten und Anmerkungen zur Popmusik herabw&#252;rdigt. Heinrich Heine schreibt zum Thema „ungl&#252;ckliche Liebe“ im „Buch der Lieder“ die Verse: Es ist eine alte Geschichte / Doch bleibt sie immer neu; / Und wem sie just passieret, / Dem bricht das Herz entzwei. Ich w&#252;rde sagen, Heine h&#228;tte keine Probleme damit gehabt, seine Lieder als Fu&#223;noten zu anderen, &#228;lteren Liedern aufzufassen. Wer in der Lage ist, mit solchen Anspielungen zu arbeiten, kann seinen eigenen Formgebungen damit zugleich einen Kontext geben, der ihre Individualit&#228;t nur umso mehr hervorhebt.

Bliebe noch der Bausch-und-Bogen-Vorwurf, der Roman sei hohl, ohne Substanz, ohne Welt. Mit einer dieser Formulierungen kommt Stefan der Sache dann tats&#228;chlich nahe:  Der schwule Blick, den „Fag Love“ auf die Welt wirft, richtet sich nur auf den Erz&#228;hler selbst, ohne ihn erkennbar zu durchschauen. Diesem Satz kann ich nur zustimmen, aber der trifft auf viele gro&#223;e Meisterwerke der Weltliteratur zu. Zu „durchschauen“ ist schlie&#223;lich die Aufgabe des Lesers, und von Werken der Literatur und Kunst erwarte ich, dass sie mir Sichtweisen pr&#228;sentieren, die mir zu diesem Zweck das Material liefern. Wenn der Dichter damit anf&#228;ngt, die Welt, sich selbst oder was auch immer  zu durchschauen, wird es meistens ziemlich peinlich, dann sind wir beim Agitprop.

Was vergessen?</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Zu Zeiten von Karl Kraus begr&#252;ndete der Polizeichef von Wien seine Abneigung gegen dessen „Fackel“ mit den ber&#252;hmten Worten: „Mir passt die ganze Linie nicht.“ Stefan „passt“ Peter Rehbergs Buch auf der ganzen Linie nicht, er schreibt, er sei f&#252;r dieses Buch offenbar der falsche Leser. Vor wenigen Jahren, als wir die Anthologie „Schwule Nachbarn“ zusammenstellten und deutsche Autoren fragten, warum in ihren B&#252;chern solche Nachbarn vollst&#228;ndig fehlten, erwiderte Thomas Hettche, er f&#252;hle sich daf&#252;r nicht zust&#228;ndig. F&#252;r mich klingen beide &#196;u&#223;erungen merkw&#252;rdig, ich glaube weder an falsche Leser noch an falsche Autoren. Die Literatur f&#252;hrt, wohin sie will, solange man sich vor Vorurteilen und Klischees h&#252;tet.<br />
„Wer kurze Abs&#228;tze macht, ist wichtigtuerisch“ ist ein solches Vorurteil. Angenommen, der Zusammenhang besteht wirklich, dann k&#246;nnte man die Wichtigtuerei doch sicher auch ohne Bezug zum Schriftbild nachweisen, und ein solcher Nachweis w&#228;re sicherlich aufschlussreicher. Wenn ich dieses Schriftbild sehe, dann frage ich mich, was der Autor wohl damit bezweckt, und lese den Text, z.B. ein wirklich extremes Beispiel auf Seite 87:</p>
<p>«Ich habe Anton beim lesbisch-schwulen Stra&#223;enfest in Sch&#246;neberg getroffen», sagte er als Erstes am Telefon.<br />
Da w&#228;r ich jetzt auch gern, dachte ich, aber sagte nichts.<br />
Warum erz&#228;hlte er mir das?<br />
Ich wollte es gar nicht h&#246;ren.</p>
<p>«Er sah gut aus.»<br />
«Bisschen blond, wei&#223;t du ja.»<br />
«Aber gut.»</p>
<p>Das wollte ich bestimmt nicht h&#246;ren.</p>
<p>«Berliner Schwucken hysterisch vom Drogennehmen.»<br />
«Wei&#223;t du ja, warst ja hier.»</p>
<p>Bisschen Hysterie in der neuen Umgebung w&#228;re mir gerade ganz lieb, dachte ich und dachte an meine Fernsehnacht in der Bar in Boystown.</p>
<p>«Ich habe ihn gefragt, warum er nicht mit dir gesprochen hat.»</p>
<p>Ich finde dich nicht mehr so sch&#246;n.<br />
Mein Gef&#252;hl ist nicht mehr so stark.<br />
Ich kann nicht mehr.</p>
<p>So isses halt.</p>
<p>Du willst doch nicht meinetwegen in Berlin bleiben, oder?</p>
<p>Oder hast du es etwa immer noch nicht kapiert?</p>
<p>Ist das pathetisch und gro&#223;tuerisch? Ich w&#252;rde sagen, es ist ein qu&#228;lendes Telefonat, in das hinein der Erz&#228;hler seine Erinnerungen an ein ebenfalls qu&#228;lendes Gespr&#228;ch einbaut. Anton, der Freund, der ihn verl&#228;sst, macht in diesem Gespr&#228;ch drei Statements:<br />
Ich finde dich nicht mehr so sch&#246;n.<br />
Mein Gef&#252;hl ist nicht mehr so stark.<br />
Ich kann nicht mehr.<br />
Sehr wahrscheinlich wurden diese drei S&#228;tze nicht einfach so nacheinander gesprochen, und wenn doch, dann hat der Sprecher dazwischen Pausen gemacht und neu angesetzt. Oder der Erz&#228;hler hat diese drei Gr&#252;nde, sich zu trennen, aus einem l&#228;ngeren Gespr&#228;ch isoliert. Beides sind gute Gr&#252;nde, den Lesefluss zu unterbrechen.<br />
Darauf folgt eine l&#228;ngere Pause, in der Anton &#252;berlegt, ob er dem Ex diese Entscheidung irgendwie leichter ertr&#228;glich machen kann, aber es f&#228;llt ihm nichts ein:<br />
So isses halt.<br />
W&#228;hrend der Erz&#228;hler gepl&#228;ttet ist und nichts erwidert, denkt Anton jetzt weiter. Sein Freund ist nach mehreren Jahren, die er in New York verbracht hat, nach Berlin zur&#252;ckgekommen, wie der Leser inzwischen wei&#223;, hat er sich im Konflikt Anton vs. New York f&#252;r Anton entschieden. Anton wei&#223;t die Verantwortung f&#252;r die Entscheidung des Erz&#228;hlers zur&#252;ck:<br />
Du willst doch nicht meinetwegen in Berlin bleiben, oder?<br />
Stefan bezeichnet Peter Rehbergs Schreibweise als durch und durch konventionell. Das mag er so sehen, solche Urteile sind wohl Geschmackssache. Ich w&#252;rde sagen, der Text vollbringt das Kunstst&#252;ck, Statements und Gedanken so zu arrangieren, dass sie ohne beschreibende, einordnende Zwischentexte auskommen – „Fag Love“ ist in gewisser Hinsicht wie ein Theaterst&#252;ck, das auch ohne das B&#252;hnenspektakel jederzeit einen pr&#228;zisen Eindruck vermittelt. Mir f&#228;llt noch der Vergleich zur Molekulark&#252;che ein: wer ein saftiges Steak erwartet, wird entt&#228;uscht sein, aber ein Gourmet wird die Qualit&#228;ten der gefrosteten Essenzen trotzdem zu sch&#228;tzen wissen, auch wenn er anderes lieber isst. </p>
<p>Das ist es auch, was wir in der Werbung als „Pr&#228;zision“ bezeichnen, ein Kriterium, mit dem Stefan nichts anfangen kann, obwohl es genau das leistet, was er verlangt: die Relation von Zweck und Mittel anzugeben. Walter Foelske, ein Autor, den ich zutiefst verehre, treibt seine Leser mit einer geradezu haarstr&#228;ubenden Ungenauigkeit in den Wahnsinn, indem er formuliert, zweifelt, neu formuliert, oder seine Figuren unentwegt S&#228;tze schreiben und wieder durchstreichen l&#228;sst. Beide Autoren verwenden ganz unterschiedliche Mittel f&#252;r ihre Zwecke, das Mittel, das Peter Rehberg bevorzugt, ist das der Pr&#228;zision. Ich w&#252;rde sagen, das oben stehende Beispiel kann auch das recht gut verdeutlichen.</p>
<p>Peter Rehberg hat sich einen literarischen Scherz erlaubt, indem er „Fag Love“ als reine Ansammlung von Fu&#223;noten und Anmerkungen zur Popmusik herabw&#252;rdigt. Heinrich Heine schreibt zum Thema „ungl&#252;ckliche Liebe“ im „Buch der Lieder“ die Verse: Es ist eine alte Geschichte / Doch bleibt sie immer neu; / Und wem sie just passieret, / Dem bricht das Herz entzwei. Ich w&#252;rde sagen, Heine h&#228;tte keine Probleme damit gehabt, seine Lieder als Fu&#223;noten zu anderen, &#228;lteren Liedern aufzufassen. Wer in der Lage ist, mit solchen Anspielungen zu arbeiten, kann seinen eigenen Formgebungen damit zugleich einen Kontext geben, der ihre Individualit&#228;t nur umso mehr hervorhebt.</p>
<p>Bliebe noch der Bausch-und-Bogen-Vorwurf, der Roman sei hohl, ohne Substanz, ohne Welt. Mit einer dieser Formulierungen kommt Stefan der Sache dann tats&#228;chlich nahe:  Der schwule Blick, den „Fag Love“ auf die Welt wirft, richtet sich nur auf den Erz&#228;hler selbst, ohne ihn erkennbar zu durchschauen. Diesem Satz kann ich nur zustimmen, aber der trifft auf viele gro&#223;e Meisterwerke der Weltliteratur zu. Zu „durchschauen“ ist schlie&#223;lich die Aufgabe des Lesers, und von Werken der Literatur und Kunst erwarte ich, dass sie mir Sichtweisen pr&#228;sentieren, die mir zu diesem Zweck das Material liefern. Wenn der Dichter damit anf&#228;ngt, die Welt, sich selbst oder was auch immer  zu durchschauen, wird es meistens ziemlich peinlich, dann sind wir beim Agitprop.</p>
<p>Was vergessen?</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Kommentar zu &#8220;Fag Love&#8221; von Peter Rehberg revisited von stefan</title>
		<link>http://www.schwule-literatur.de/2012/01/fag-love-von-peter-rehberg-revisited/comment-page-1/#comment-147104</link>
		<dc:creator>stefan</dc:creator>
		<pubDate>Wed, 04 Jan 2012 12:26:16 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.schwule-literatur.de/?p=422#comment-147104</guid>
		<description>Dass „Fag Love“ von Peter Rehberg als „Roman“ bezeichnet wird, w&#228;re eine T&#228;uschung, n&#228;hme irgendein Leser diese Bezeichnung ernst. Aber was bedeutet ein solches Etikett denn heutzutage schon? Mag sein, dass alles, was kein Comic, Bildband oder Sachbuch (und keine „Erz&#228;hlungen“) ist, als Roman firmieren muss, damit das Publikum ein Buch &#252;berhaupt als „Literatur“ einordnen kann. Und diese Bezeichnung h&#228;lt ja auch einiges aus, ist traditionell f&#252;r allerhand Formen offen. Aber hier liegt der Fall doch etwas anders. „Fag Love“ ist n&#228;mlich schlicht deshalb kein Roman, weil es gar keiner sein soll. Wie die Figur Sven darin ganz richtig sagt: „Die Geschichte von Felix und Anton, von Felix und Jack, nichts als Anmerkungen, Fu&#223;noten eigentlich. Weil ihre Geschichten in Wirklichkeit schon zuvor von der Popmusik erz&#228;hlt worden sind.“ Das stimmt, meine ich, und bezeichnet auch bemerkenswert treffend die Schwierigkeit, die ich mit „Fag Love“ habe: Dieses Buch ist nicht f&#252;r mich geschrieben, ich geh&#246;re nicht zur Zielgruppe, da ich nichts von Popmusik verstehe und auf diesem Ohr v&#246;llig taub bin. Ob Madonna oder Marianne und Michael, mir ist das alles gleich, und ich halte, elit&#228;rer Schn&#246;sel, der ich bin, all diese „popul&#228;re“ Musik, ohne &#252;brigens ein Gef&#252;hl der Entbehrung zu haben, nicht im mindesten f&#252;r etwas, das mich etwas angeht. Jeder hat eben so seine Beschr&#228;nkungen.
Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass ich „Fag Love“ auch gar nicht zur Hand genommen h&#228;tte, wenn in einer Diskussion &#252;ber literarische Au&#223;enseiterperspektiven nicht der Name Peter Rehbergs gefallen w&#228;re. Ich musste passen und gestehen, dass ich von diesem Autor noch nie geh&#246;rt und also nichts von gelesen hatte. Verdammt gute Literatur sei das, wurde mir beschieden. Nanu, das gibt’s doch nicht, dachte ich mir, wenn das so ist, wenn das also ein relevanter Autor ist, auf dessen B&#252;cher man sich beziehen kann, als m&#252;sse man sie als gebildeter, literaturkundiger Schwuler gelesen haben, dann kann dir das doch nicht so v&#246;llig entgangen sein. Das gibt’s aber doch und hat auch seine Richtigkeit. Das konnte ich nicht wissen, bevor ich „Fag Love“ las, aber ich muss es in meiner instinktsicheren Ignoranz geahnt haben, und jetzt wei&#223; ich es. Es ist einfach so, um es nochmals zu sagen: Rehberg hat nicht f&#252;r mich geschrieben, ich bin f&#252;r „Fag Love“ der ganz und gar falsche Leser.
Das ist ja auch v&#246;llig in Ordnung so und kann dem Autor und seinem Text nicht zum Vorwurf gemacht werden. W&#228;re ja noch sch&#246;ner, wenn einer f&#252;r alle und jeden schreiben m&#252;sste! Aber andererseits, da ich „Fag Love“ jetzt nun schon einmal gelesen und allerhand Eindr&#252;cke davon getragen habe, will ich, wie ich es gewohnt bin, das Erlebte auch reflektieren; und das kann ich, zumindest zun&#228;chst, nur, indem ich Kriterien anlege, die ich aus anderen, ganz anderen Leseerfahrungen gewonnen habe.
Wenn „Fag Love“ ein Roman w&#228;re, wie sollte man dann das nennen, was — ach, wen erw&#228;hn ich jetzt?, warum nicht gleich: — Thomas Mann, Marcel Proust, Hans Henny Jahnn, Jean Genet, James Baldwin oder Detlev Meyer geschrieben hatten? Die Hauptfigur in „Fag Love“ erw&#228;hnt einmal Hubert Fichte, und siehe da, an den hatte ich beim Lesen auch schon denken m&#252;ssen, aber blo&#223; wegen der mich bei Fichte schon und erst recht bei Rehberg nervenden Manie, nach ein paar W&#246;rtern immer gleich eine neue Zeile beginnen zu m&#252;ssen, nach ein paar Zeilen oder auch nur einer einzigen einen neuen Absatz. („Fag Love“ hat etwas &#252;ber 200 Seiten, setzte man den Text aber in herk&#246;mmlicher Manier, k&#228;me man h&#246;chstens auf ein Drittel des jetzigen Seitenumfanges.)
Wie kindisch, nicht wahr, sich &#252;ber Platzverschwendung Gedanken zu machen, Papier ist doch geduldig, in Gedichtb&#228;nden ist noch mehr wei&#223;er Raum, das st&#246;rt doch auch niemanden. Aber darum geht’s gar nicht. Es geht um die Frage, was eine solche Setzweise f&#252;r eine Funktion hat. Ich behaupte, es geht um Pathetik, um Gro&#223;tuerei, um die Geste: Schaut her, wie wichtig ist, was ich schreibe, wie gro&#223;artig, wie bedeutungsvoll. Das w&#228;re ja sogar in Ordnung, wenn das Geschriebene dem gerecht w&#252;rde. Wird es aber nicht.
Der wesentliche Unterschied zwischen Fichte und Rehberg besteht meiner Meinung nach darin, dass Fichte sich f&#252;r die Wirklichkeit interessiert, Rehberg nicht. Fichte will schreibend etwas herausbekommen und darstellen, was ist. Rehberg hat nichts zu erz&#228;hlen (die popsongs haben ja schon alles gesagt) und reproduziert nur Erwartbares. Dabei geht es nicht um die Stoffe. Es geht fast nie um die Stoffe. Es geht um die Art und weis, wie Material in Form gebracht wird.
Man hat mir gesagt, „Fag Love“ sei ganz aus einem schwulen Blickwinkel geschrieben. Selbst wenn dem so w&#228;re, und ich habe da meine Zweifel, worauf richtete sich denn ein solcher schwuler Blick? Doch offensichtlich auf nichts au&#223;er vielleicht sich selbst. Der Text ist v&#246;llig weltlos.
Wenn man von „Fag Love“ wenigstens sagen k&#246;nnte, es sei oberfl&#228;chlich! Das ist es aber nicht. Es ist schlicht hohl. Es ist ohne Substanz, was, wie ich annehme, daran liegt, dass ja mit den im Text zitierten songs alles schon gesagt sein soll. Die Literatur hat also, wenn das stimmt, bereits stattgefunden und &#252;brig bleibt nur das Wiederabspielen musikalischer Konfektionsware. Es w&#228;re aber ein Missverst&#228;ndnis, anzunehmen, diese seien dann eben der „Ausdruck“ eines Lebensgef&#252;hls. Zwar mag es zutreffen, dass die Musik den Figuren gef&#228;llt und ihren Bed&#252;rfnissen nach akustischer Untermalung ihrer Stimmungen entspricht. Aber etwas, was man nicht selbst macht, kann einen nicht in der eigenen Unverwechselbarkeit und Unvertretbarkeit ausdr&#252;cken. Was invariabel vorgefertigt zur Verf&#252;gung steht, massenhaft, ohne jeden Bezug zu etwas Pers&#246;nlichem, artikuliert nicht Gef&#252;hle, Erfahrungen, Einsichten, sondern dekoriert anonyme Situationen.
Die Figuren dieses „Romans“ haben folgerichtig keine unverwechselbaren Charaktere, nur gel&#228;ufige Funktionen: der beste Freund, die beste Freundin, der sch&#246;ne Mann, der h&#228;ssliche Mann, der seltsame Mann usw. Keine Figur ist wirklich individuell, keine hat ein bestimmte Aussehen, einen relevanten Beruf, eine Geschichte. 
So schemenhaft die Figuren sind, so schablonenhaft ist auch ihr Reden. Die Hauptfigur etwa, der Ich-Erz&#228;hler, aus dessen Perspektive alles (au&#223;er dem Anhang) formuliert ist, &#228;u&#223;ert immer wieder ganz simple Generalisierungen: Die Homos, die Heteros, die Amerikaner, die Deutschen usw. Nichts davon wird differenziert oder belegt. Wenn es da um Ironie gehen sollte, habe ich sie nicht erkennen k&#246;nnen.
Viel Aufwand wird in „Fag Love“ mit Ortsnamen getrieben: New York, Berlin, Chicago, Los Angeles. Aber tats&#228;chlich kommen ausschlie&#223;lich diese Ortsnamen, nicht die damit verbundenen St&#228;dte selbst vor, denn diese werden nie beschrieben, ihre Eigenart wird nie dargestellt, nur schablonenhaft benannt. Was aber hei&#223;t es, dass New York „sexy“ und eine „schwule Stadt“, gar die schwulste der Welt ist? Was sind die Merkmale davon? Wie sieht das aus? K&#246;nnte man es auch anders sehen? Was hei&#223;t es, dass Berlin „besser, besser und besser“ wird? Im Vergleich wozu? Im Bezug worauf? Die Nachtlokale, die besucht werden (und viele andere Lokalit&#228;ten au&#223;er ihnen und ein paar Privatwohnungen gibt es im Text nicht), werden mit ihren Namen erw&#228;hnt, aber ihre Eigenart, ihre Atmosph&#228;re wird nicht beschrieben. Alles ist austauschbar, ohne das wenigstens diese Austauschbarkeit zum Thema w&#252;rde.
Wohlgemerkt, es geht mir nicht darum, dass es hinsichtlich der Orte (St&#228;dte und Bars) an Lokalkolorit fehlt, sondern darum, dass ich den Sinn nicht sehe, warum &#252;berhaupt namentlich genannte Orte vorkommen, wo doch das, was diese Ort ausmacht, nicht gezeigt wird. Der Verdacht dr&#228;ngt sich mir auf, dass die Ortsnamen Chiffren eines Codes sind, dessen Kenntnis sich mir entzieht.
Wenn also „Fag Love“ wirklich einen „schwulen Blick“ auf die Welt beschreibt oder verk&#246;rpert, dann richtet sich dieser „schwule Blick“, so meine ich, allenfalls auf sich selbst — ohne sich freilich erkennbar zu durchschauen. Eine Wirklichkeit au&#223;erhalb einer gewissen Gestimmtheit kommt in „Fag Love“ nicht vor. In der aus lauter Schablonen und Klischees bestehenden Hohlwelt dieses „Romans“ gibt es keine Gesellschaft, keine Politik, keine Wirtschaft, keine K&#252;nste und (fast) keine Literatur. Selbst Musik kommt in Wahrheit gar nicht vor. Von den Popsongs werden zwar deren Texte zitiert, nie wird eindr&#252;cklich beschrieben, wie die Musik dazu sich anh&#246;rt.
Nun gut, Literatur muss nicht beschreiben. Sie muss nicht einmal erz&#228;hlen. (Und die story von „Fag Love“ ist ja auch eher schlicht: boy meets boy, boy loses boy, boy meets other boy, boy dies.) Wenn es aber weder ums Beschreiben noch ums Erz&#228;hlen geht, was will Literatur dann?
Ich sage nicht, „Fag Love“ sei schlecht gemacht. Gar nicht. Peter Rehberg setzt seine S&#228;tze sehr bewusst, da gibt es nichts Undurchdachtes, nichts Nachl&#228;ssiges, der Kunstwille ist stets sp&#252;rbar — aber wozu all der Aufwand? (Wozu beispielsweise die Konstruktion, dass der Ich-Erz&#228;hler, in graphisch abgehobenen Einsch&#252;ben, aus dem Sarg heraus spricht? Ein interessanter Einfall, aber was bringt er?) Was will der Text von seinen Lesern, was fordert er ihnen ab, wozu fordert er sie heraus?
Wahrscheinlich ist es m&#252;&#223;ig, an ein Buch, dass selbst nicht tiefsch&#252;rfend sein will, solche Fragen zu stellen. Wahrscheinlich besch&#228;ftige ich mich schon jetzt mehr mit „Fag Love“, als der Text lohnt. Aber ich habe bemerkt, ich bin nicht der einzige, der diesen „Roman“ nicht auf die leichte Schulter nimmt.
Ein Werbetext sagt: „’Fag Love’ ist vielleicht der erste postmoderne Roman, der mit seiner verhalten experimentellen Sprache eine schwule Liebesgeschichte erz&#228;hlt, eine Geschichte, die mit ihren Br&#252;chen und Sehns&#252;chten eine Zustandsbeschreibung schwulen Lebensgef&#252;hls zustande bringt, die man anderswo lange suchen muss.“
Da werde ich also wohl ein anderes Buch gelesen haben! In dem „Fag Love“ jedenfalls, das mir vorliegt, ist weder irgendetwas experimentell (nicht einmal verhalten), sondern v&#246;llig konventionell und allenfalls ab und zu sprachlich und orthographisch manieriert, noch findet im Mindesten irgendeine eine „Zustandsbeschreibung schwulen Lebensgef&#252;hls“ statt. Dieses Lebensgef&#252;hl — sollen es &#252;brigen ausnahmslos alle Schwulen haben oder handelt es sich nur um ein Lebensgef&#252;hl unter mehreren zul&#228;ssigen? — w&#228;re denn das einer weltlosen, an Menschen und ihren Verh&#228;ltnissen desinteressierten, nur um sich selbst und ihre kontingenten Befindlichkeiten kreisenden und in jeder Hinsicht r&#252;ckhaltlosen Konsumbereitschaft. Ob das mit „postmodern“ gemeint ist? (Einer Vokabel. mit der man bekanntlich alles und nichts bezeichnen kann.)
Noch hymnischer kommt ein anderer Werbetext daher: „’Fag Love’ ist der stilistisch pr&#228;zise gestaltete Ausdruck eines Lebens, das die postmoderne Popkultur vorbehaltlos bejaht und ihre Versprechungen ernst nimmt. Rehberg beschreibt nicht, sein Text liest sich, als st&#228;nde Felix mit einem Bier an der Bar und erz&#228;hlte seine Story. Die Einheit von Sprache und Geschichte erzeugt eine Intensit&#228;t, die jeden in den Bann zieht, egal, ob man sich mit dem Helden identifiziert oder einem die Sorgen und N&#246;te dieser Generation bisher nur als plakative Lifestyle-Fragen erschienen sind. Ohne es zu wollen, ist „Fag Love“ damit ein klassischer Bildungsroman geworden, der auf zeitgem&#228;&#223;e Art seine eigenen Perspektiven auf die Gegenwart entwickelt.“
Ich gestehe, ich wei&#223; nicht, was stilistische Pr&#228;zision sein soll. Ein Stil kann n&#252;chtern oder &#252;berschw&#228;nglich, wortkarg oder bilderreich sein, aber inwiefern k&#246;nnen dabei N&#252;chternheit, &#220;berschwang, Kargheit oder Bilderreichtum „pr&#228;zise“ sein? Vielleicht ist damit gemeint, dass ein und derselbe Stil durchgehalten wird, also ein stilistische Einheitlichkeit. Und in der Tat, die Prosa von „Fag Love“ scheint mir homogen und glatt. Aber ob das etwas Lobenswertes oder Bedenkliches ist, daf&#252;r brauchte es ein Kriterium, das, finde ich, nicht das der Pr&#228;zision sein kann, sondern das das Verh&#228;ltnis von Zwecken und Mitteln, von gelungener oder misslungener Gestaltung im Hinblick auf eine nachvollziehbare Darstellungsabsicht zu betreffen h&#228;tte. Was will der Text vom Leser, was bietet er ihm an?
„Rehberg beschreibt nicht …“ Stimmt. Aber ich habe auch noch nie in den Jahrzehnte, die ich selber an Tresen stand und Bier trank, jemanden so reden h&#246;ren (oder selbst so geredet) wie die Figur Felix. Der Stil macht, wiewohl unkompliziert und leichtgewichtig, einen alles andere als spontanen und authentischen Eindruck, da redet niemand frei von der Leber weg, alles ist hochartifiziell, kontrolliert, statisch. Von wegen „in den Bann ziehende Intensit&#228;t“! Eher seichtes Gepl&#228;tscher. Von wegen Sorgen und N&#246;te oder auch nur Fragen (und w&#228;re es solche des lifestyles)! Eher ein Mangel an Problemen und Konflikten, ein Dahintreiben ohne Ziel und Verstand.
Wenn „Fag Love“ also ein Bildungsroman ist, dann ist Zuckerwatte ein n&#228;hrstoffreiches Grundnahrungsmittel. Dann ist Fahrstuhlmusik ein H&#246;hepunkt abendl&#228;ndischen Kunstschaffens. Und dann ist im eigenen, reichlich d&#252;nnen Saft zu schmoren eine „Perspektive auf die Gegenwart“. Eine „vorbehaltlose Bejahung der Popkultur“ l&#228;sst sich Peter Rehbergs Text aber wohl tats&#228;chlich zuschreiben. Es gab freilich mal Zeiten, in denen nicht Affirmation ger&#252;hmt wurde, sondern Kritik …
Nein, Literatur muss nicht kritisch sein. Sie muss nichts aufzeigen, nichts ver&#228;ndern wollen. Sie muss nicht weh tun, nicht &#252;berraschen, erschrecken, verbl&#252;ffen. Sie muss keine Einblicke, Ausblicke, Durchblicke gew&#228;hren. Sie muss weder erz&#228;hlen noch beschreiben. Und sie muss auch nicht, ich sagte es schon, f&#252;r mich geschrieben sein. Aber wozu ein ein Text, der das alles nicht will, sondern im Grunde lediglich ein booklet zu einem (von anderen vorgegebenen) soundtrack sein m&#246;chte, denn dann &#252;berhaupt geschrieben, verlegt und gelesen werden soll, das m&#252;ssen bitte andere mir erkl&#228;ren. Ich wei&#223; es nicht.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Dass „Fag Love“ von Peter Rehberg als „Roman“ bezeichnet wird, w&#228;re eine T&#228;uschung, n&#228;hme irgendein Leser diese Bezeichnung ernst. Aber was bedeutet ein solches Etikett denn heutzutage schon? Mag sein, dass alles, was kein Comic, Bildband oder Sachbuch (und keine „Erz&#228;hlungen“) ist, als Roman firmieren muss, damit das Publikum ein Buch &#252;berhaupt als „Literatur“ einordnen kann. Und diese Bezeichnung h&#228;lt ja auch einiges aus, ist traditionell f&#252;r allerhand Formen offen. Aber hier liegt der Fall doch etwas anders. „Fag Love“ ist n&#228;mlich schlicht deshalb kein Roman, weil es gar keiner sein soll. Wie die Figur Sven darin ganz richtig sagt: „Die Geschichte von Felix und Anton, von Felix und Jack, nichts als Anmerkungen, Fu&#223;noten eigentlich. Weil ihre Geschichten in Wirklichkeit schon zuvor von der Popmusik erz&#228;hlt worden sind.“ Das stimmt, meine ich, und bezeichnet auch bemerkenswert treffend die Schwierigkeit, die ich mit „Fag Love“ habe: Dieses Buch ist nicht f&#252;r mich geschrieben, ich geh&#246;re nicht zur Zielgruppe, da ich nichts von Popmusik verstehe und auf diesem Ohr v&#246;llig taub bin. Ob Madonna oder Marianne und Michael, mir ist das alles gleich, und ich halte, elit&#228;rer Schn&#246;sel, der ich bin, all diese „popul&#228;re“ Musik, ohne &#252;brigens ein Gef&#252;hl der Entbehrung zu haben, nicht im mindesten f&#252;r etwas, das mich etwas angeht. Jeder hat eben so seine Beschr&#228;nkungen.<br />
Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass ich „Fag Love“ auch gar nicht zur Hand genommen h&#228;tte, wenn in einer Diskussion &#252;ber literarische Au&#223;enseiterperspektiven nicht der Name Peter Rehbergs gefallen w&#228;re. Ich musste passen und gestehen, dass ich von diesem Autor noch nie geh&#246;rt und also nichts von gelesen hatte. Verdammt gute Literatur sei das, wurde mir beschieden. Nanu, das gibt’s doch nicht, dachte ich mir, wenn das so ist, wenn das also ein relevanter Autor ist, auf dessen B&#252;cher man sich beziehen kann, als m&#252;sse man sie als gebildeter, literaturkundiger Schwuler gelesen haben, dann kann dir das doch nicht so v&#246;llig entgangen sein. Das gibt’s aber doch und hat auch seine Richtigkeit. Das konnte ich nicht wissen, bevor ich „Fag Love“ las, aber ich muss es in meiner instinktsicheren Ignoranz geahnt haben, und jetzt wei&#223; ich es. Es ist einfach so, um es nochmals zu sagen: Rehberg hat nicht f&#252;r mich geschrieben, ich bin f&#252;r „Fag Love“ der ganz und gar falsche Leser.<br />
Das ist ja auch v&#246;llig in Ordnung so und kann dem Autor und seinem Text nicht zum Vorwurf gemacht werden. W&#228;re ja noch sch&#246;ner, wenn einer f&#252;r alle und jeden schreiben m&#252;sste! Aber andererseits, da ich „Fag Love“ jetzt nun schon einmal gelesen und allerhand Eindr&#252;cke davon getragen habe, will ich, wie ich es gewohnt bin, das Erlebte auch reflektieren; und das kann ich, zumindest zun&#228;chst, nur, indem ich Kriterien anlege, die ich aus anderen, ganz anderen Leseerfahrungen gewonnen habe.<br />
Wenn „Fag Love“ ein Roman w&#228;re, wie sollte man dann das nennen, was — ach, wen erw&#228;hn ich jetzt?, warum nicht gleich: — Thomas Mann, Marcel Proust, Hans Henny Jahnn, Jean Genet, James Baldwin oder Detlev Meyer geschrieben hatten? Die Hauptfigur in „Fag Love“ erw&#228;hnt einmal Hubert Fichte, und siehe da, an den hatte ich beim Lesen auch schon denken m&#252;ssen, aber blo&#223; wegen der mich bei Fichte schon und erst recht bei Rehberg nervenden Manie, nach ein paar W&#246;rtern immer gleich eine neue Zeile beginnen zu m&#252;ssen, nach ein paar Zeilen oder auch nur einer einzigen einen neuen Absatz. („Fag Love“ hat etwas &#252;ber 200 Seiten, setzte man den Text aber in herk&#246;mmlicher Manier, k&#228;me man h&#246;chstens auf ein Drittel des jetzigen Seitenumfanges.)<br />
Wie kindisch, nicht wahr, sich &#252;ber Platzverschwendung Gedanken zu machen, Papier ist doch geduldig, in Gedichtb&#228;nden ist noch mehr wei&#223;er Raum, das st&#246;rt doch auch niemanden. Aber darum geht’s gar nicht. Es geht um die Frage, was eine solche Setzweise f&#252;r eine Funktion hat. Ich behaupte, es geht um Pathetik, um Gro&#223;tuerei, um die Geste: Schaut her, wie wichtig ist, was ich schreibe, wie gro&#223;artig, wie bedeutungsvoll. Das w&#228;re ja sogar in Ordnung, wenn das Geschriebene dem gerecht w&#252;rde. Wird es aber nicht.<br />
Der wesentliche Unterschied zwischen Fichte und Rehberg besteht meiner Meinung nach darin, dass Fichte sich f&#252;r die Wirklichkeit interessiert, Rehberg nicht. Fichte will schreibend etwas herausbekommen und darstellen, was ist. Rehberg hat nichts zu erz&#228;hlen (die popsongs haben ja schon alles gesagt) und reproduziert nur Erwartbares. Dabei geht es nicht um die Stoffe. Es geht fast nie um die Stoffe. Es geht um die Art und weis, wie Material in Form gebracht wird.<br />
Man hat mir gesagt, „Fag Love“ sei ganz aus einem schwulen Blickwinkel geschrieben. Selbst wenn dem so w&#228;re, und ich habe da meine Zweifel, worauf richtete sich denn ein solcher schwuler Blick? Doch offensichtlich auf nichts au&#223;er vielleicht sich selbst. Der Text ist v&#246;llig weltlos.<br />
Wenn man von „Fag Love“ wenigstens sagen k&#246;nnte, es sei oberfl&#228;chlich! Das ist es aber nicht. Es ist schlicht hohl. Es ist ohne Substanz, was, wie ich annehme, daran liegt, dass ja mit den im Text zitierten songs alles schon gesagt sein soll. Die Literatur hat also, wenn das stimmt, bereits stattgefunden und &#252;brig bleibt nur das Wiederabspielen musikalischer Konfektionsware. Es w&#228;re aber ein Missverst&#228;ndnis, anzunehmen, diese seien dann eben der „Ausdruck“ eines Lebensgef&#252;hls. Zwar mag es zutreffen, dass die Musik den Figuren gef&#228;llt und ihren Bed&#252;rfnissen nach akustischer Untermalung ihrer Stimmungen entspricht. Aber etwas, was man nicht selbst macht, kann einen nicht in der eigenen Unverwechselbarkeit und Unvertretbarkeit ausdr&#252;cken. Was invariabel vorgefertigt zur Verf&#252;gung steht, massenhaft, ohne jeden Bezug zu etwas Pers&#246;nlichem, artikuliert nicht Gef&#252;hle, Erfahrungen, Einsichten, sondern dekoriert anonyme Situationen.<br />
Die Figuren dieses „Romans“ haben folgerichtig keine unverwechselbaren Charaktere, nur gel&#228;ufige Funktionen: der beste Freund, die beste Freundin, der sch&#246;ne Mann, der h&#228;ssliche Mann, der seltsame Mann usw. Keine Figur ist wirklich individuell, keine hat ein bestimmte Aussehen, einen relevanten Beruf, eine Geschichte.<br />
So schemenhaft die Figuren sind, so schablonenhaft ist auch ihr Reden. Die Hauptfigur etwa, der Ich-Erz&#228;hler, aus dessen Perspektive alles (au&#223;er dem Anhang) formuliert ist, &#228;u&#223;ert immer wieder ganz simple Generalisierungen: Die Homos, die Heteros, die Amerikaner, die Deutschen usw. Nichts davon wird differenziert oder belegt. Wenn es da um Ironie gehen sollte, habe ich sie nicht erkennen k&#246;nnen.<br />
Viel Aufwand wird in „Fag Love“ mit Ortsnamen getrieben: New York, Berlin, Chicago, Los Angeles. Aber tats&#228;chlich kommen ausschlie&#223;lich diese Ortsnamen, nicht die damit verbundenen St&#228;dte selbst vor, denn diese werden nie beschrieben, ihre Eigenart wird nie dargestellt, nur schablonenhaft benannt. Was aber hei&#223;t es, dass New York „sexy“ und eine „schwule Stadt“, gar die schwulste der Welt ist? Was sind die Merkmale davon? Wie sieht das aus? K&#246;nnte man es auch anders sehen? Was hei&#223;t es, dass Berlin „besser, besser und besser“ wird? Im Vergleich wozu? Im Bezug worauf? Die Nachtlokale, die besucht werden (und viele andere Lokalit&#228;ten au&#223;er ihnen und ein paar Privatwohnungen gibt es im Text nicht), werden mit ihren Namen erw&#228;hnt, aber ihre Eigenart, ihre Atmosph&#228;re wird nicht beschrieben. Alles ist austauschbar, ohne das wenigstens diese Austauschbarkeit zum Thema w&#252;rde.<br />
Wohlgemerkt, es geht mir nicht darum, dass es hinsichtlich der Orte (St&#228;dte und Bars) an Lokalkolorit fehlt, sondern darum, dass ich den Sinn nicht sehe, warum &#252;berhaupt namentlich genannte Orte vorkommen, wo doch das, was diese Ort ausmacht, nicht gezeigt wird. Der Verdacht dr&#228;ngt sich mir auf, dass die Ortsnamen Chiffren eines Codes sind, dessen Kenntnis sich mir entzieht.<br />
Wenn also „Fag Love“ wirklich einen „schwulen Blick“ auf die Welt beschreibt oder verk&#246;rpert, dann richtet sich dieser „schwule Blick“, so meine ich, allenfalls auf sich selbst — ohne sich freilich erkennbar zu durchschauen. Eine Wirklichkeit au&#223;erhalb einer gewissen Gestimmtheit kommt in „Fag Love“ nicht vor. In der aus lauter Schablonen und Klischees bestehenden Hohlwelt dieses „Romans“ gibt es keine Gesellschaft, keine Politik, keine Wirtschaft, keine K&#252;nste und (fast) keine Literatur. Selbst Musik kommt in Wahrheit gar nicht vor. Von den Popsongs werden zwar deren Texte zitiert, nie wird eindr&#252;cklich beschrieben, wie die Musik dazu sich anh&#246;rt.<br />
Nun gut, Literatur muss nicht beschreiben. Sie muss nicht einmal erz&#228;hlen. (Und die story von „Fag Love“ ist ja auch eher schlicht: boy meets boy, boy loses boy, boy meets other boy, boy dies.) Wenn es aber weder ums Beschreiben noch ums Erz&#228;hlen geht, was will Literatur dann?<br />
Ich sage nicht, „Fag Love“ sei schlecht gemacht. Gar nicht. Peter Rehberg setzt seine S&#228;tze sehr bewusst, da gibt es nichts Undurchdachtes, nichts Nachl&#228;ssiges, der Kunstwille ist stets sp&#252;rbar — aber wozu all der Aufwand? (Wozu beispielsweise die Konstruktion, dass der Ich-Erz&#228;hler, in graphisch abgehobenen Einsch&#252;ben, aus dem Sarg heraus spricht? Ein interessanter Einfall, aber was bringt er?) Was will der Text von seinen Lesern, was fordert er ihnen ab, wozu fordert er sie heraus?<br />
Wahrscheinlich ist es m&#252;&#223;ig, an ein Buch, dass selbst nicht tiefsch&#252;rfend sein will, solche Fragen zu stellen. Wahrscheinlich besch&#228;ftige ich mich schon jetzt mehr mit „Fag Love“, als der Text lohnt. Aber ich habe bemerkt, ich bin nicht der einzige, der diesen „Roman“ nicht auf die leichte Schulter nimmt.<br />
Ein Werbetext sagt: „’Fag Love’ ist vielleicht der erste postmoderne Roman, der mit seiner verhalten experimentellen Sprache eine schwule Liebesgeschichte erz&#228;hlt, eine Geschichte, die mit ihren Br&#252;chen und Sehns&#252;chten eine Zustandsbeschreibung schwulen Lebensgef&#252;hls zustande bringt, die man anderswo lange suchen muss.“<br />
Da werde ich also wohl ein anderes Buch gelesen haben! In dem „Fag Love“ jedenfalls, das mir vorliegt, ist weder irgendetwas experimentell (nicht einmal verhalten), sondern v&#246;llig konventionell und allenfalls ab und zu sprachlich und orthographisch manieriert, noch findet im Mindesten irgendeine eine „Zustandsbeschreibung schwulen Lebensgef&#252;hls“ statt. Dieses Lebensgef&#252;hl — sollen es &#252;brigen ausnahmslos alle Schwulen haben oder handelt es sich nur um ein Lebensgef&#252;hl unter mehreren zul&#228;ssigen? — w&#228;re denn das einer weltlosen, an Menschen und ihren Verh&#228;ltnissen desinteressierten, nur um sich selbst und ihre kontingenten Befindlichkeiten kreisenden und in jeder Hinsicht r&#252;ckhaltlosen Konsumbereitschaft. Ob das mit „postmodern“ gemeint ist? (Einer Vokabel. mit der man bekanntlich alles und nichts bezeichnen kann.)<br />
Noch hymnischer kommt ein anderer Werbetext daher: „’Fag Love’ ist der stilistisch pr&#228;zise gestaltete Ausdruck eines Lebens, das die postmoderne Popkultur vorbehaltlos bejaht und ihre Versprechungen ernst nimmt. Rehberg beschreibt nicht, sein Text liest sich, als st&#228;nde Felix mit einem Bier an der Bar und erz&#228;hlte seine Story. Die Einheit von Sprache und Geschichte erzeugt eine Intensit&#228;t, die jeden in den Bann zieht, egal, ob man sich mit dem Helden identifiziert oder einem die Sorgen und N&#246;te dieser Generation bisher nur als plakative Lifestyle-Fragen erschienen sind. Ohne es zu wollen, ist „Fag Love“ damit ein klassischer Bildungsroman geworden, der auf zeitgem&#228;&#223;e Art seine eigenen Perspektiven auf die Gegenwart entwickelt.“<br />
Ich gestehe, ich wei&#223; nicht, was stilistische Pr&#228;zision sein soll. Ein Stil kann n&#252;chtern oder &#252;berschw&#228;nglich, wortkarg oder bilderreich sein, aber inwiefern k&#246;nnen dabei N&#252;chternheit, &#220;berschwang, Kargheit oder Bilderreichtum „pr&#228;zise“ sein? Vielleicht ist damit gemeint, dass ein und derselbe Stil durchgehalten wird, also ein stilistische Einheitlichkeit. Und in der Tat, die Prosa von „Fag Love“ scheint mir homogen und glatt. Aber ob das etwas Lobenswertes oder Bedenkliches ist, daf&#252;r brauchte es ein Kriterium, das, finde ich, nicht das der Pr&#228;zision sein kann, sondern das das Verh&#228;ltnis von Zwecken und Mitteln, von gelungener oder misslungener Gestaltung im Hinblick auf eine nachvollziehbare Darstellungsabsicht zu betreffen h&#228;tte. Was will der Text vom Leser, was bietet er ihm an?<br />
„Rehberg beschreibt nicht …“ Stimmt. Aber ich habe auch noch nie in den Jahrzehnte, die ich selber an Tresen stand und Bier trank, jemanden so reden h&#246;ren (oder selbst so geredet) wie die Figur Felix. Der Stil macht, wiewohl unkompliziert und leichtgewichtig, einen alles andere als spontanen und authentischen Eindruck, da redet niemand frei von der Leber weg, alles ist hochartifiziell, kontrolliert, statisch. Von wegen „in den Bann ziehende Intensit&#228;t“! Eher seichtes Gepl&#228;tscher. Von wegen Sorgen und N&#246;te oder auch nur Fragen (und w&#228;re es solche des lifestyles)! Eher ein Mangel an Problemen und Konflikten, ein Dahintreiben ohne Ziel und Verstand.<br />
Wenn „Fag Love“ also ein Bildungsroman ist, dann ist Zuckerwatte ein n&#228;hrstoffreiches Grundnahrungsmittel. Dann ist Fahrstuhlmusik ein H&#246;hepunkt abendl&#228;ndischen Kunstschaffens. Und dann ist im eigenen, reichlich d&#252;nnen Saft zu schmoren eine „Perspektive auf die Gegenwart“. Eine „vorbehaltlose Bejahung der Popkultur“ l&#228;sst sich Peter Rehbergs Text aber wohl tats&#228;chlich zuschreiben. Es gab freilich mal Zeiten, in denen nicht Affirmation ger&#252;hmt wurde, sondern Kritik …<br />
Nein, Literatur muss nicht kritisch sein. Sie muss nichts aufzeigen, nichts ver&#228;ndern wollen. Sie muss nicht weh tun, nicht &#252;berraschen, erschrecken, verbl&#252;ffen. Sie muss keine Einblicke, Ausblicke, Durchblicke gew&#228;hren. Sie muss weder erz&#228;hlen noch beschreiben. Und sie muss auch nicht, ich sagte es schon, f&#252;r mich geschrieben sein. Aber wozu ein ein Text, der das alles nicht will, sondern im Grunde lediglich ein booklet zu einem (von anderen vorgegebenen) soundtrack sein m&#246;chte, denn dann &#252;berhaupt geschrieben, verlegt und gelesen werden soll, das m&#252;ssen bitte andere mir erkl&#228;ren. Ich wei&#223; es nicht.</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Kommentar zu Von Kleist lernern hei&#223;t verlieren lernen (zum 200. Todestag) von Stefan Broniowski</title>
		<link>http://www.schwule-literatur.de/2011/09/von-kleist-lernern-heisst-verlieren-lernen-zum-200-todestag/comment-page-1/#comment-147103</link>
		<dc:creator>Stefan Broniowski</dc:creator>
		<pubDate>Sun, 20 Nov 2011 14:14:40 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.schwule-literatur.de/?p=414#comment-147103</guid>
		<description>Es nimmt mich wunder, dass sich hier noch niemand bem&#252;&#223;igt gef&#252;hlt hat, auf die ebenso gedankenreichen wie pr&#228;gnant formulierten Thesen Joachims einzugehen. Das wird weder diesem noch Herrn von Kleist gerecht. Also muss wohl mal wieder der alte Einmischer Broniowski ran … Auch, um hier die Kommentarfunktion nicht zu &#252;berlasten, habe ich meinen Kommentar zu den Acht Thesen an meinem eigenen Netzort deponiert, also &lt;a href=&quot;http://www.broniowski.at/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=75:zubartholomaeskleistthesen&amp;catid=38:literatur&amp;Itemid=60&quot; target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;nofollow&quot;&gt;hier&lt;/a&gt;.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Es nimmt mich wunder, dass sich hier noch niemand bem&#252;&#223;igt gef&#252;hlt hat, auf die ebenso gedankenreichen wie pr&#228;gnant formulierten Thesen Joachims einzugehen. Das wird weder diesem noch Herrn von Kleist gerecht. Also muss wohl mal wieder der alte Einmischer Broniowski ran … Auch, um hier die Kommentarfunktion nicht zu &#252;berlasten, habe ich meinen Kommentar zu den Acht Thesen an meinem eigenen Netzort deponiert, also <a href="http://www.broniowski.at/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=75:zubartholomaeskleistthesen&amp;catid=38:literatur&amp;Itemid=60" target="_blank" rel="nofollow">hier</a>.</p>
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	</item>
	<item>
		<title>Kommentar zu Gehackt von JJ Schlegel</title>
		<link>http://www.schwule-literatur.de/2011/10/gehackt/comment-page-1/#comment-147098</link>
		<dc:creator>JJ Schlegel</dc:creator>
		<pubDate>Tue, 25 Oct 2011 12:58:18 +0000</pubDate>
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		<description>Sch&#246;n, dass es den Blog wieder gibt.

Ich frage mich allerdings ein klein wenig, was die Photos sollen. Ist das als Bilderquiz gedacht? Soll man herausfinden, wo das alles aufgenommen wurde? Ich sehe keinen anderen Grund, hier abwechselnd eine Lissabonner Stra&#223;enbahn, eine Seineinsel mit winterlicher Weide usw. zu zeigen. Bei diesem beruhigenden – nordkatalanischen? – Felsenstrand denke ich augenblicklich an Sterbehilfe...</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Sch&#246;n, dass es den Blog wieder gibt.</p>
<p>Ich frage mich allerdings ein klein wenig, was die Photos sollen. Ist das als Bilderquiz gedacht? Soll man herausfinden, wo das alles aufgenommen wurde? Ich sehe keinen anderen Grund, hier abwechselnd eine Lissabonner Stra&#223;enbahn, eine Seineinsel mit winterlicher Weide usw. zu zeigen. Bei diesem beruhigenden – nordkatalanischen? – Felsenstrand denke ich augenblicklich an Sterbehilfe&#8230;</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Kommentar zu Vergangenes und zu Erwartendes von Max Goldt von siburg</title>
		<link>http://www.schwule-literatur.de/2007/01/vergangenes-und-zu-erwartendes-von-max-goldt/comment-page-1/#comment-147036</link>
		<dc:creator>siburg</dc:creator>
		<pubDate>Thu, 29 Sep 2011 23:46:47 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.schwule-literatur.de/95/vergangenes-und-zu-erwartendes-von-max-goldt/#comment-147036</guid>
		<description>Die Diskussion ist zwar schon zwei Jahre alt, aber dennoch: die Vorw&#252;rfe hier sind ziemlich absurd. Dass Max Goldt sein Schwulsein in den fr&#252;hen Jahren als Aush&#228;ngeschild nutzte um bekannt zu werden ist wohl unhaltbar. Zu &quot;Ich und mein Staubsauger&quot;-Zeiten und auch in den Zeiten danach war Goldt v&#246;llig unbekannt und sozusagen ein Undergroundph&#228;nomen. Auch heute ist Goldt mitnichten ein Beststeller oder gar ein Star. Er ist einer kleinen, feinen Minderheit bekannt und wird von dieser als gro&#223;artiger Schriftsteller gesch&#228;tzt. Herr Liskow scheint das Werk Goldts auch nur sehr oberfl&#228;chlich zu kennen: dieser &quot;schwule Text&quot;, der im Artikel zitiert wird, ist absolut singul&#228;r, auch in den 80ern schrieb Goldt recht wenig &#252;ber Sexualit&#228;t. In den letzten 20 Jahren betonte Goldt immer wieder, dass ihm seine Privatsph&#228;re sehr wichtig sei und er deswegen nie auf die Idee k&#228;me, sehr pers&#246;nliche Dinge in der &#214;ffentlichkeit, also auch in seinen Texten zu thematisieren. Dazu geh&#246;rt nat&#252;rlich auch seine Sexualit&#228;t. Der Vorwurf, dass dies Marketinggr&#252;nde hat, ist wirklich seltsam, vor allem da Max Goldt sehr viel ber&#252;hmter und reicher sein k&#246;nnte, wenn ihm das wirklich so wichtig w&#228;re. Er l&#228;sst sich nicht interviewen, tritt nicht im Fernsehen auf, seine Musik und seine Texte sind verschroben und eigenartig im sch&#246;nsten Wortsinne. Das ist alles sehr massenuntauglich.
Dass Max Goldt sich dagegen wehrte, unter der Kategorie &quot;Schwulenliteratur&quot; in einer Buchhandlung gef&#252;hrt zu werden, kann ich sehr gut nachzuvollziehen: er schreibt n&#228;mlich keine Schwulenliteratur. Unter Schwulenliteratur stelle ich mir B&#252;cher vor, in denen es haupts&#228;chlich um Homosexualit&#228;t geht, um Probleme von Homosexuellen, ihren Alltag, was auch immer. Nur weil der Autor schwul ist, seine B&#252;cher als Schwulenliteratur zu bezeichnen? Ich halte diese Absonderung eh f&#252;r ziemlich ungeschickt, f&#252;r mich gibt es nur eine Literatur. Da ist genug Platz f&#252;r Schwules und Unschwules. 
Ich empfinde es au&#223;erdem als ziemliche Anma&#223;ung, von einem Schriftsteller zu erwarten, dass er bestimmte Themen bedient, nur weil man selbst gern von ihnen h&#246;ren/lesen m&#246;chte und ihm dann kommerzielle Interessen vorzuwerfen, wenn er eben das nicht tut. Hier wird ein K&#252;nstler vereinnahmt, einfach aufgrund der Tatsache, dass er schwul ist. Ein K&#252;nstler vor allem, der es ablehnt, sich durch seine Sexualit&#228;t definieren zu lassen, was ich f&#252;r recht weise halte. Es ist doch recht einfallslos, sich einzig und allein dadurch zu definieren, dass man auf M&#228;nner, Frauen oder Hunde steht.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Die Diskussion ist zwar schon zwei Jahre alt, aber dennoch: die Vorw&#252;rfe hier sind ziemlich absurd. Dass Max Goldt sein Schwulsein in den fr&#252;hen Jahren als Aush&#228;ngeschild nutzte um bekannt zu werden ist wohl unhaltbar. Zu &#8220;Ich und mein Staubsauger&#8221;-Zeiten und auch in den Zeiten danach war Goldt v&#246;llig unbekannt und sozusagen ein Undergroundph&#228;nomen. Auch heute ist Goldt mitnichten ein Beststeller oder gar ein Star. Er ist einer kleinen, feinen Minderheit bekannt und wird von dieser als gro&#223;artiger Schriftsteller gesch&#228;tzt. Herr Liskow scheint das Werk Goldts auch nur sehr oberfl&#228;chlich zu kennen: dieser &#8220;schwule Text&#8221;, der im Artikel zitiert wird, ist absolut singul&#228;r, auch in den 80ern schrieb Goldt recht wenig &#252;ber Sexualit&#228;t. In den letzten 20 Jahren betonte Goldt immer wieder, dass ihm seine Privatsph&#228;re sehr wichtig sei und er deswegen nie auf die Idee k&#228;me, sehr pers&#246;nliche Dinge in der &#214;ffentlichkeit, also auch in seinen Texten zu thematisieren. Dazu geh&#246;rt nat&#252;rlich auch seine Sexualit&#228;t. Der Vorwurf, dass dies Marketinggr&#252;nde hat, ist wirklich seltsam, vor allem da Max Goldt sehr viel ber&#252;hmter und reicher sein k&#246;nnte, wenn ihm das wirklich so wichtig w&#228;re. Er l&#228;sst sich nicht interviewen, tritt nicht im Fernsehen auf, seine Musik und seine Texte sind verschroben und eigenartig im sch&#246;nsten Wortsinne. Das ist alles sehr massenuntauglich.<br />
Dass Max Goldt sich dagegen wehrte, unter der Kategorie &#8220;Schwulenliteratur&#8221; in einer Buchhandlung gef&#252;hrt zu werden, kann ich sehr gut nachzuvollziehen: er schreibt n&#228;mlich keine Schwulenliteratur. Unter Schwulenliteratur stelle ich mir B&#252;cher vor, in denen es haupts&#228;chlich um Homosexualit&#228;t geht, um Probleme von Homosexuellen, ihren Alltag, was auch immer. Nur weil der Autor schwul ist, seine B&#252;cher als Schwulenliteratur zu bezeichnen? Ich halte diese Absonderung eh f&#252;r ziemlich ungeschickt, f&#252;r mich gibt es nur eine Literatur. Da ist genug Platz f&#252;r Schwules und Unschwules.<br />
Ich empfinde es au&#223;erdem als ziemliche Anma&#223;ung, von einem Schriftsteller zu erwarten, dass er bestimmte Themen bedient, nur weil man selbst gern von ihnen h&#246;ren/lesen m&#246;chte und ihm dann kommerzielle Interessen vorzuwerfen, wenn er eben das nicht tut. Hier wird ein K&#252;nstler vereinnahmt, einfach aufgrund der Tatsache, dass er schwul ist. Ein K&#252;nstler vor allem, der es ablehnt, sich durch seine Sexualit&#228;t definieren zu lassen, was ich f&#252;r recht weise halte. Es ist doch recht einfallslos, sich einzig und allein dadurch zu definieren, dass man auf M&#228;nner, Frauen oder Hunde steht.</p>
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