Oscar Wilde wird gern als Boulevardschriftsteller abgetan, aber man muss sich nur ein Stück des selten aufgeführten G.B. Shaw ansehen, um seine Meisterschaft zu erkennen. In Hamburg gibt das English Theatre derzeit “Mrs Warren’s Profession”, das sicher zu Shaws Highlights gezählt werden kann. Da die Inszenierung leider vollkommen ideenlos heruntergehaspelt wird, bleibt einem die Einsicht nicht erspart: Das ist politisch engagiert, aber herzlich langweilig. Continue reading
Category Archives: Cruising
Dave Monroe, Pornografie und Sexualität
Dave Monroe, Philosophiedozent mit Vorliebe für populäre Herangehensweisen an “große” Fragen, hat zehn Autoren zusammengetrommelt, um deren Essays über Pornografie als “Philosophie für Verdorbene” herausgegeben. Das Buch zeigt wieder einmal zweierlei: Über solche tendenziell frivolen Themen wird in den USA sehr viel anders nachgedacht als in Europa, und: “Männer & Frauen” haben Probleme, die “Männer & Männer” nicht haben – und zugleich sind sie leider so dumm, von “Männer & Männer” nicht lernen zu wollen. Continue reading
Irmtraud Gutschke soll leben
Am 13. Januar 2011 ist etwas Merkwürdiges geschehen: im Neuen Deutschland erschien die Rezension des Erzählbands “Piratenherz” von Michael Sollorz, verfasst von Irmtraud Gutschke. Continue reading
Vom Tanz auf schlaffen Ghaselen
Wir arbeiten an einer Gesamtdarstellung des Dichterstreits zwischen Heinrich Heine und August von Platen. Dieses gegenseitige Abwatschens eines Schwulen und eines Ex-Juden ist auch für den heutigen Verkehr zwischen Heteros und Schwulen sehr aufschlussreich. Continue reading
Bücher zum Fest
aus einer Presseerklärung des Börsenvereins des deutschen Buchhandels über das Weihnachtsgeschäft:
“Unangefochten auf Platz eins der meistgenannten Titel in der Warengruppe Belletristik ist Ken Folletts “Sturz der Titanen” (Lübbe). Auch der All Age-Titel “Smaragdgrün” von Kerstin Gier (Arena) verkaufte sich sehr gut. Continue reading
Männer und Frauen
J. Walther hat mit “Benjamins Gärten” einen sehr stimmungsvollen und naturverbundenen Roman geschrieben, in dem der junge Ich-Erzähler sich in einen deutlich älteren Mann verliebt, der wie ein Komet ab und zu in seinem Dorf auftaucht. Das Buch ist im Gründungsprogramm des “Debut-Verlags” erschienen, ein doppeltes Debut also. Continue reading
Genet wird hundert – zu recht!
Jede Generation hat bestimmte Bücher, an denen man sich mit 17, 18 Jahren abarbeitet, und parallel dazu hat jede Generation homosexueller Männer bestimmte Bücher, die in der Zeit des Coming-out besonders wichtig gewesen sind. Josef Winkler hat Continue reading
Stephen Spender not available
Kurz vor seinem Tod veröffentlichte der britische Lyriker Stephen Spender einen Roman, den er als junger Mann geschrieben hatte, sein literarisches Debut: “The Temple”, der Roman erschien dann auch in deutscher Sprache unter dem Titel “Der Tempel”. Derzeit ist die Originalausgabe in den USA erhältlich, in England und in Deutschland nicht. Unsere Anfrage nach den deutschen Rechten wurde kommentarlos mit dem Satz beschieden, diese Rechte seien “not available”. Continue reading
Bisschen Begeisterung gefällig?
Wir haben festgestellt: es gibt keine sachgerechte Literaturförderung in Deutschland, sei es nun Autorenförderung, Verlagsförderung oder Buchhandelsförderung. Andere Kunstgattungen funktionieren anders, Film und Theater ist komplett subventioniert, die Bildende Kunst ist ein rein kommerzielles Geschäft geworden: Künstler sind Investitionsobjekte, daneben gibt es einen selbstfinanzierten Kunstbetrieb, der an Selbstausbeutung jeden armen Poeten weit in den Schatten stellt – Continue reading
Entstehungsbedingungen …
Dieses Thema braucht keinen Anlaß.
Ich habe trotzdem einen. Meiner ist, daß ich eben die Lektüre von Wolfgang Kuhoff, Diokletian und die Epoche der Tetrarchie angefangen habe. Warum ich das lese? Wer liest sowas? Wer interessiert sich für sowas? Noch dazu ein 1000-Seiten-Werk: Wer gibt dafür Geld aus?? Herzlich wenige, und so hat die Wissenschaftliche Buchgesellschaft seinerzeit abgewunken, als Kuhoff das Buch veröffentlichen wollte (als sie den Umfang gesehen hat und wohl die Druckkosten mit dem späteren Buchpreis und dann mit den notwendigen Käuferzahlen und der bei so einem Thema zu erwartenden Käuferzahl verglichen hat), und so hat Kuhoff es bei Peter Lang (2001) gemacht. Continue reading