Wilde und Shaw

Oscar Wilde wird gern als Boulevardschriftsteller abgetan, aber man muss sich nur ein Stück des selten aufgeführten G.B. Shaw ansehen, um seine Meisterschaft zu erkennen. In Hamburg gibt das English Theatre derzeit “Mrs Warren’s Profession”, das sicher zu Shaws Highlights gezählt werden kann. Da die Inszenierung leider vollkommen ideenlos heruntergehaspelt wird, bleibt einem die Einsicht nicht erspart: Das ist politisch engagiert, aber herzlich langweilig. Continue reading

Dave Monroe, Pornografie und Sexualität

Dave Monroe, Philosophiedozent mit Vorliebe für populäre Herangehensweisen an “große” Fragen, hat zehn Autoren zusammengetrommelt, um deren Essays über Pornografie als “Philosophie für Verdorbene” herausgegeben. Das Buch zeigt wieder einmal zweierlei: Über solche tendenziell frivolen Themen wird in den USA sehr viel anders nachgedacht als in Europa, und: “Männer & Frauen” haben Probleme, die “Männer & Männer” nicht haben – und zugleich sind sie leider so dumm, von “Männer & Männer” nicht lernen zu wollen. Continue reading

Bücher zum Fest

aus einer Presseerklärung des Börsenvereins des deutschen Buchhandels über das Weihnachtsgeschäft:

“Unangefochten auf Platz eins der meistgenannten Titel in der Warengruppe Belletristik ist Ken Folletts “Sturz der Titanen” (Lübbe). Auch der All Age-Titel “Smaragdgrün” von Kerstin Gier (Arena) verkaufte sich sehr gut. Continue reading

Stephen Spender not available

Kurz vor seinem Tod veröffentlichte der britische Lyriker Stephen Spender einen Roman, den er als junger Mann geschrieben hatte, sein literarisches Debut: “The Temple”, der Roman erschien dann auch in deutscher Sprache unter dem Titel “Der Tempel”. Derzeit ist die Originalausgabe in den USA erhältlich, in England und in Deutschland nicht. Unsere Anfrage nach den deutschen Rechten wurde kommentarlos mit dem Satz beschieden, diese Rechte seien “not available”. Continue reading

Bisschen Begeisterung gefällig?

Wir haben festgestellt: es gibt keine sachgerechte Literaturförderung in Deutschland, sei es nun Autorenförderung, Verlagsförderung oder Buchhandelsförderung. Andere Kunstgattungen funktionieren anders, Film und Theater ist komplett subventioniert, die Bildende Kunst ist ein rein kommerzielles Geschäft geworden: Künstler sind Investitionsobjekte, daneben gibt es einen selbstfinanzierten Kunstbetrieb, der an Selbstausbeutung jeden armen Poeten weit in den Schatten stellt – Continue reading

Buchmesse in Kleinanzeigen

Zum zweiten Mal bietet die FAZ in diesem Jahr den Messebesuchern eine kostenlose Messezeitung, die an den Eingängen verteilt wird. Es ist verdammt schwer, etwas irgendwie wahres über den höchst eigenartigen Kommerzrummel der Buchmesse zu sagen, deshalb hat es mir dieses mal an meinen drei Messetagen die Laune gerettet, diese erstaunlich freche und kluge Zeitung zu lesen. Wie sehr es mich gefreut hat dokumentiere ich dadurch, dass ich allen Ernstes eine Reihe falscher Kleinanzeigen abgetippt habe, um sie hier zu verewigen. Continue reading