Bodo Kirchhoff und die Männer

Da er von der Jury des Dt. Buchpreises 2016 in die engere Wahl der sechs besten Bücher aufgenommen wurde, soll Bodo Kirchhoff auch hier gewürdigt werden. Dazu gibt es nämlich allen Grund: in den finsteren 80er Jahren schrieb Kirchhoff mit „Mexikanische Novelle“ über eine eigenartige Männerbeziehung, und 2007 erschien mit „Eros und Asche“ der Roman einer realen Männerfreundschaft.

Der Buchladen Männerschwarm hatte Bodo Kirchhoff in den 80ern zu einer Lesung ins Café TucTuc eingeladen, wo der Autor von der geballten schwul-männlichen Präsenz zutiefst beeindruckt war – er wollte unbedingt wiederkommen, und dazu kam es anlässlich des 25. Ladengeburtstags im Jahr 2006. Dieser Besuch wird übrigens in „Eros und Asche“ erwähnt, ebenso die Tatsache, dass er von mir „Verrückt nach Vincent“ von Hervé Guibert als Geschenk erhielt. Unter dem Eindruck dieses flüchtigen Kontakts und eines guten Gesprächs nach der Lesung bat mich Bodo Kirchhoff darum, ihm meine Meinung zu „Eros und Asche“ mitzuteilen, und so entstand diese kurze Rezension, die bisher nicht veröffentlicht wurde. Thema ist die Not der Männer mit dem Zwischenmännlichen, am Beispiel einer Männerfreundschaft, der der Autor mit diesem Buch ein Denkmal setzt. Es ist Bodo Kirchhoff hoch anzurechnen, dass er diese Not immerhin zur Sprache bringt, wenn auch im Rahmen der Heterosexualität wohl keine Lösung möglich ist.

Unsere Hände greifen ineinander in eisigem Wasser
Bodo Kirchhoffs Freundschaftsroman „Eros und Asche“

Einer sei, der dem Kampf entreist meinen Leichnam
oder ihn loskauft und ihn begräbt.
Aeneis IX, 212-214

Die erste Begegnung des Erzählers und seines Freundes M. liest sich wie der Beginn einer klassischen Liebesgeschichte unter Jungs, schon „Narziss und Goldmund“ fängt so an: ein neuer Schüler trifft ein, ihn umgibt die Aura des Besonderen, und damit stellt sich nur noch die Frage, wann die beiden es schaffen, sich ihre Gefühle füreinander zu gestehen. Im Vergleich zu diesem Muster der „O-Bein-Geschichte“ sind die Gliedmaßen von „Eros und Asche“ gerade gewachsen, und Parallelen treffen sich bestenfalls, so versichert uns die Geometrie, im Unendlichen.

Der Erzähler lernte M. auf dem Höhepunkt der Pubertät im Internat kennen und ihre Beziehung zueinander hatte bis zu M.s Tod im Alter von 58 Jahren Bestand, auch wenn die beiden im Laufe des Studiums in verschiedene Städte verschlagen wurden und sich oft jahrelang nicht persönlich getroffen haben. Nächtliche Telefonate und kurze Begegnungen auf Autobahnrast¬stätten reichten aus, um das Bild des anderen im eigenen Bewusstsein lebendig zu erhalten. Obwohl der Erzähler im Laufe des Romans Kontakt zu zahlreichen Personen aufnimmt, die M. zu verschiedenen Zeiten gut gekannt haben, bleibt dieser beste Freund und platonisch Geliebte ein Phantom. Der Autor zeichnet das Bild eines kettenrauchenden Überfliegers, der trotz abge¬schlossenen Medizinstudiums seinen Platz im Leben nicht gefunden hat und mit Überschreiten der Schwelle zum fünfzigsten Lebensjahr frühvergreiste und verarmte. Wie ein moderner Faust gibt sich M. den zwei Seelen in seiner Brust hin: der maßlosen Lektüre kulturpessimistischer Literatur einerseits und der maßlosen Liebe zu den Frauen andererseits, und wie Faust endet er an einem entlegenen Gestade, in seinem Fall an einem versteckten See im Norden Berlins, wo er so etwas wie Glück gefunden zu haben scheint, bevor er stirbt. Den Drang zur Tat jedoch scheint er nie verspürt zu haben, und es könnte sein, dass es gerade seine ziel- und zweckfreie Lebensweise war, die ihn für den zu Ausdruck und Gestaltung verdammten Schriftsteller so unentbehrlich machte – als Projektionsfläche für die Sehnsucht nach Ruhe und Selbstgenüg¬samkeit, die jedes aktive Leben als ihre Schattenseite erzeugt.

Was ist ein „Freundschaftsroman“? Mag sein, er erzählt die Geschichte einer Freundschaft, mag sein, er erzählt von der Unmöglichkeit von Freundschaft, mag sein, er erzählt von der Sehnsucht nach besonderer Freundschaft als Sehnsucht nach dem Unmöglichen. In diesem Fall scheint die dritte Variante zuzutreffen. Ich finde das faszinierend: Offenbar können Männer gute Kumpels sein, die vieles gemeinsam unternehmen, gut zusammen passen und Spaß mit¬einander haben, aber wenn so etwas wie echte Seelenverwandtschaft dazukommt, schnürt die Angst vor der unerlaubten Grenzüberschreitung beiden die Kehle zu. In diesen Fall ist es besonders verwunderlich, dass die Helden so feige sind, denn in allen sonstigen Lebensfragen scheren sie sich einen feuchten Dreck um die Meinung der Umwelt. Vielleicht liegt das Problem darin, dass sie sich bewusst „als Männer“ lieben. Die Schwulen sind sich der Paradoxie bewusst, dass ein Mann, der ihre Annäherung erwidert, in dem Moment aufhört, ein richtiger Mann zu sein, dass sie das Objekt ihrer Begierde also niemals erreichen. Schwule überwinden dieses Problem aufgrund eines starken sexuellen Bedürfnisses, statt „Mr. Right“ nimmt man „Mister right away“, den erstbesten. Wenn dieses Bedürfnis fehlt, steht der arme Mann wie Buridans Esel zwischen zwei Heuhaufen und kann sich nicht entscheiden zwischen dem Bedürfnis nach Nähe und nach Männlichkeit. Eine traurige Geschichte. Stirbt einer von ihnen, wird die Trauer über das Versäumte übermächtig, denn jetzt ist es zu spät.

Der Erzähler begründet seinen Versuch, die Geschichte einer Männerfreundschaft zu erzählen, mit dem Auftrag des Verstorbenen, „unsere Dinge in einen Roman zu packen“. Andererseits fühlt er sich verpflichtet, das Schweigegelöbnis, das einen wesentlichen Grundpfeiler der Freundschaft darstellt, zu beachten: „Die Gesetze des Schweigens galten für M., das Einzelkind mit Offenbarungsdrang, mehr als alles andere in einer Freundschaft; nichts, was aus diesem Drang heraus gleichsam gegen den eigenen Willen gesagt oder gezeigt wurde, durfte nach außen gelangen.“ (117) Die Wahrheit darüber, was diese Freundschaft ausgemacht hat, findet deshalb nur indirekt Eingang in den Roman. Nach M.s Tod versucht der Erzähler, seiner Frau zu erklären, was die beiden Männer miteinander verbunden hat: „Ich weiß nur, wir hatten etwas miteinander, vierzig Jahre lang, aber nie das, was du denkst. Und auch davon erzähle ich: Wie dieses Etwas entstand, und wie es sich hielt, und warum es vor seinem letzten Höhepunkt zu Asche werden musste.“ (246f) Was U. bei dieser Gelegenheit erfährt, bleibt dem Leser verbor¬gen. Nur M.s Tod kann berichtet werden, da die Person des Freundes zu diesem Zeitpunkt nicht mehr vorhanden war. Im Buch finden sich zwei Schilderung, eine medizinische als Bericht des gemeinsamen Freundes R., und eine Beschreibung der letzten Stunden aus der Sicht von M.s Freundin H., die der Erzähler allerdings selbst vorträgt. Diese beiden Szenen sind ergrei¬fende Miniaturen in einem Roman, der sich ansonsten jeder Anschaulichkeit verweigert (zumin¬dest, was seinen Hauptgegenstand angeht).

Wenig Probleme scheint es den Freunden bereitet zu haben, sich „über Bande“ zu lieben, ein Muster, dass über Doppelhochzeiten eine lange Tradition aufweisen kann (die Männer können nacheinander vor den Traualtar treten, heiraten also eigentlich einander, die Frauen sind nur Alibi). Als Jungen entjungfern beide gleichzeitig ein Schwesternpaar und waschen anschließend gemeinsam das Blut aus den Laken, zum Geständnis der Schwangerschaft der einen Schwe¬ster gehen sie gemeinsam, und für den erwachsenen Erzähler spielt es eine große Rolle, dass er nachträglich eine der Schülerliebschaften M.s näher kennen lernt, damit ist er wieder auf „Augenhöhe“. Als der Erzähler sich selbst einen Wunsch erfüllt, den die Freunde in jungen Jah¬ren gemeinsam hegten, nämlich nach Kuba zu reisen, und von dort bei M. anruft, will der nur eins: „Erzähl von den Frauen.“(219) Umgekehrt erzählt M. dem Erzähler bei einem der seltenen Treffen von einem sexuellen Erlebnis mit zwei Frauen, die er als „mit das Beste in seinem Leben“ bezeichnet (105). Der Erzähler kommentiert diesen Vorgang auf rätselhafte Weise: „Ich aber behielt den Köder samt Haken im Maul, die Sache ging mir nicht aus dem Kopf.“ (99) Wer oder was soll hier geködert werden, und wozu? Unterstellt der Erzähler, M. habe mit dieser Anekdote eine Art von Nähe zwischen beiden herstellen wollen? Oder geht es nur wieder um „Augenhöhe“, letztlich also Konkurrenz in der Balz um die Weibchen? Da hinsichtlich des Ver¬storbenen das Schweigegelöbnis zu achten ist, bekommt der Leser zudem nur die Sicht des Erzählers geboten, es bleibt völlig unklar, inwieweit M. diesen Situationen eine ähnliche Bedeutung beimaß, ja, ob auf seiner Seite überhaupt ein Bedürfnis bestand, die Nähe zuein¬ander zu steigern.

Einer der zwei Höhepunkte der langen Beziehung ist ein Besuch in M.s Wohnung, wo beide ein Musikstück hören, auf dessen Vortrag M. emotional stark reagiert. Der Erzähler meint, dass in diesem Fall „der Besuchte es nicht darauf anlegte, dass ich seinen Mangel an Ausdruck von Gefühl mit einem Mangel an Gefühl verwechselte. (91) Mit anderen Worten: der Erzähler weist darauf hin, dass M. es normaler Weise darauf anlege, einen Mangel an Gefühl vorzutäuschen, oder noch anders: der Erzähler will M. so wahrnehmen, als ermangele es ihm nicht an Gefühl, sondern nur an der Möglichkeit, es auszudrücken. Seit „Phaidros“ wissen wir, dass der Liebende göttlicher ist als der Geliebte. Die Entschlossenheit des Erzählers, seine Freundschaft mit M. als Liebe zu sehen – „im weitesten Sinne“ (226), immer diese ängstlichen Einschrän¬kungen –, ist in fast jeder Zeile des Romans mit Händen zugreifen. Und das, obwohl jede noch so scheue Annäherung beiden entsetzlich peinlich erscheint: da wird ein Kopf an den eigenen Kopf gezogen (man muss sich das bildlich vorstellen: die Körper können so, anders als bei einer Umarmung, wie die Schenkel eines Dreiecks ihre Distanz bewahren), bei Verabschie¬dungen wird Banalität vorgetäuscht. Bei der Beendigung eines gemeinsamen Ferienjobs rea¬giert M. „mit einem Lächeln, das kaum verlegener hätte sein können, als ich Danke sage und dazu noch seinen Namen in den Mund nahm. Ein schöner und zugleich peinlicher Moment …“ (225f). Es ist offensichtlich, dass hier das in-den-Mund-Nehmen als Anspielung zu verstehen ist, die kaum näher erläutert zu werden braucht. Deshalb immer wieder der Hinweis darauf, dass es sich hier um eine Freundschaft gehandelt habe, die „keine Dummheiten zuließ“. (261)

Die Versicherung der eigenen Männlichkeit scheint die unabdingbare Voraussetzung zu sein für die Beschäftigung mit einem Thema, das – wie seinerzeit die Mexikanische Novelle – leicht „zu Missverständnissen über die Sexualität des Autors“ (31) führen könnte. Aber wie „männlich“ ist einer, der sich viel Gedanken macht über mögliches Gerede? Erst vor wenigen Jahren hat David Beckham durch sein tuntiges Getue – ausgefallene Frisuren, Gebrauch von Parfum etc. – der Kosmetikindustrie das Leitbild des Metrosexuellen geliefert, das nur deshalb Abertausende seiner Geschlechtsgenossen zur Nachahmung inspirieren konnte, weil keiner seiner Fans und auch er selbst nicht im Geringsten daran zweifelten, dass er ein „richtiger Mann“ ist, den es überhaupt nicht stört, zur Ikone einer infantilen Schwulengemeinde erhoben zu werden. Wir können also festhalten: Metrosexualität spielt keine Rolle in Eros und Asche.

Als die Rückblicke in die Zeit dieser Freundschaft und die Gespräche mit gemeinsamen Bekannten, gewissermaßen eine zwischen Mitteilungsdrang und Angst vor Missverständnissen changierende, spiralförmige Annäherung an die Person des Verstorbenen, sich ihrem Ende nähert, beschreibt der Erzähler den zweiten Höhepunkt dieser Beziehung, einen Tanz zu Schülerzeiten, den intimsten Moment:
… er breitete die Arme aus, wie um zu dirigieren, was er ja gern macht, aber dann lan¬deten die Hände auf meinen Schultern, zack-zack, und meine auch gleich auf seinen, und wir schwankten herum, muß man sagen. Er machte sogar die Augen zu und griff mir um den Nacken, so tanzten wir bis Schluß war. … Und vielleicht hat er gemerkt, daß ich einmal beim Tanzen die Augen aufgemacht habe, um zu sehen, ob er mich ansieht … (243)
In der Mexikanischen Novelle teilt der Erzähler die Gefängniszelle mit einem Jungen, und zwi¬schen beiden spielt sich diese Szene ab:
Der Mund stand etwas auf. Ein Stück Zahnreihe blinkte hervor, darunter lag ein dunkler Streif, dann kam wieder Lippe. Die Unterlippe war ein schmaler Balkon. Es war ein ge¬stalteter Mund, und ich schnappte danach. … Das war an sich auch ein einfacher Vor¬gang. Ich öffnete nur ein paarmal die Augen, um zu sehen, ob seine Augen zu wären oder nicht. Sie waren fest geschlossen, ich fing an, ihm zu trauen.

Die Mexikanische Novelle aus dem Jahr 1984 ist als eine Parallelerzählung unbedingt mitzu¬lesen, wenn man sich mit Kirchhoffs aktuellem „Freundschaftsroman“ auseinandersetzt. Auch das nächtliche Auf-den-Betten-Sitzen im gemeinsamen Zimmer, verbunden mit der Enttäu¬schung darüber, das der andere nicht spricht, findet sich bereits in der Novelle. Wenn wir ein¬mal annehmen, dass solche Parallelen kein Zufall sind, liegt die Vermutung nahe, dass diese beiden Werke sich zueinander verhalten wie fiktives Gedankenspiel und authentische Klage über das Versäumte, das Unmögliche, und damit wie Literatur und Realität. Die Konstellation ist ganz anders beschaffen als z.B. die komplementären Romane Good-bye to Berlin und Christo¬pher und die Seinen von Isherwood. Kirchhoff geht es nicht darum, ein fiktives Werk zu ent¬schlüsseln und damit gewissermaßen die „Wahrheit“ nachzuliefern. Wer könnte schon sagen, in welchem der beiden Bücher die Wahrheit und in welchem die Fiktion beschrieben wird? Ich glaube vielmehr, dass Kirchhoff in seinem älteren Werk versucht hat sich vorzustellen, wie eine Figur mit einer der seinen verwandten Männlichkeit in die Lage geraten könnte, die Grenze zur körperlichen „Liebe“ zu einem anderen Mann zu überschreiten. Sein Protagonist wird vor der Versuchung durch Leutnant Rizzi, mit dem er in bester Internatsmanier ein Doppelzimmer teilt, gerade noch durch die Ermordung des Leutnants bewahrt, durch einen Mordanschlag, der eigentlich ihm galt und die Verführung einer jungen Mexikanerin rächen sollte. Als sein Alter Ego dann fälschlich selbst des Mordes an Rizzi beschuldigt wird, gerät er im Gefängnis noch einmal in die gleiche Situation, zwei Betten in einer Zelle, und da seine Lebensumstände zu diesem Zeitpunkt eine Verschiebung ins Unwirkliche erfahren haben, die an den Untergang Aschenbachs in Venedig erinnert, ergibt er sich der erneuten Verführung. Ganz klar: erst die Zerschlagung seiner ganzen Existenz macht es möglich, dass werden kann, was nicht sein darf.

Doch zurück vom Gedankenspiel in die bittere Wirklichkeit: Zwei Männer, selbst wenn sie sich lieben, finden keinen Weg – und suchen ihn nicht einmal –, eine Nähe zwischen sich auszu¬drücken, die oft geradezu schmerzhaft nach einem wie auch immer gearteten Ausdruck ver¬langt. Der dänische Soziologe Hennig Bech hat in seinem Buch „When Men Meet“ den Begriff der „absent homosexuality“ für Situationen geprägt, die gänzlich davon geprägt sind, dass man nicht homosexuell veranlagt oder sich zu verhalten bereit ist: Die Beteiligten empfinden sich wie das Kaninchen vor der Schlange, starr vor Angst entwickeln sie die abwegigsten Vermeidungs¬strategien. Dieses Elend, einer besonderen Freundschaft auch besondere Merkmale geben zu wollen, aber es schlichtweg nicht zu können, bezeugt dieser Freundschaftsroman, und damit leistet er einen enormen Beitrag zum Verständnis von Heterosexualität.

Kirchhoff bezeugt seine Freundschaft zu M., wie Don Quixote die Schönheit seiner Dulcinea bezeugt: Das Zeugnis ersetzt den Beweis und wird mit der Waffe verteidigt. Der Vergleich wurde nicht leichtfertig gewählt, denn wenn auch schon zu Cervantes’ Zeiten die Inbrunst des Ritters unweigerlich lächerlich erschien, so gilt er doch als das Gegenstück zum versponnenen Zeitgenossen Hamlet, der dem heutigen Menschen insofern näher steht, als er vor lauter Bedenken den Weg zur Tat nicht mehr findet. Und wie bei Don Quixote beweist auch bei Kirch¬hoff die Entschlossenheit, ein Zeugnis abzulegen, tatsächlich dessen Wahrheit. Kirchhoff geht es nicht um das Was und Warum der Freundschaft, sondern ausschließlich um die Bedeutung, die sie für ihn gehabt hat. Wo die Beschreibung von Einzelheiten bestenfalls zu einer netten Hommage geführt hätte, schichtet seine konsequente Verweigerung von Anschaulichkeit Scheit für Scheit ein mächtiges Feuer auf, und jedes Misslingen, jede schmerzliche Enttäuschung facht es an. Eros und Asche zeigt die Geschichte einer Freundschaft als Widerschein im Auge des Autors. Ob das, was er bezeugt, diesen Einsatz verdient, muss seine männlich-hetero¬sexuelle Leserschaft entscheiden.

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