Der mannmännliche Kuss in den schönen Künsten

Das Thalia-Theater in Hamburg gibt sich kämpferisch und inszeniert Oscar Wildes Theaterstück „The Importance of Being Earnest“ mit Männern in Frauenkleidern. Das ist ganz lustig und weiter nicht bemerkenswert; dass der arme Dr. Chasuble zu Beginn des Stücks aus Leviticus lesen muss, wirkt etwas peinlich, aber das geht vorbei. Allerdings bringt diese Rollenbesetzung es mit sich, dass zwischen Männern als Männern und Männern als Frauen Küsse ausgetauscht werden. Und dazu ist auch im Jahre 2010 immer noch etwas zu sagen. Positiv ist anzumerken, dass die Damendarsteller sich mit Hingabe in die Rolle stürzen und weder sie noch ihre Liebhaber es beim Knutschen an Einsatz mangeln lassen. Aber das Publikum! Wenn auch nicht mehr „Igitt“ gerufen wird wie im Ernst-Deutsch-Theater vor fünfzehn Jahren („Das normale Herz“), so macht sich beim überwiegend älteren Publikum ein pubertäres Kichern bemerkbar, alles verspannt sich und hofft, dass das schnell vorbei geht. Und dabei ist ein Kuss auf dem Theater, wenn er zwischen Männern und echten Frauen getauscht wird, regelmäßig ein großer Erfolg, bekommt Applaus und grenzenloses Wohlwollen. Auch zwischen Algernon und Gwendolyn ist dieser Kuss ein großes Ereignis, endlich können sie sich in die Arme sinken, und unter anderen Umständen würde der Saal vor Freude brodeln. Moral: selbst wenn gar nicht Homosexualität dargestellt wird, sind küssende Männer dem Hetero ein Dorn im Auge, es ist nicht zu fassen.


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