Der Arche-Typ als Arschloch

Ralf König ist nach dem Erfolg des „Prototyp“ nun für längere Zeit täglich in der FAZ anzutreffen, und zwar hier:

Archetyp

Nach der Schaffung der Welt, deren Mühen wir im Prototyp mitverfolgen konnten, meint Gott nun: Schwamm drüber, und ja, dieses Wortspiel war wohl zu verlockend, nur Noah als Arche-Typ soll die Vernichtung überstehen.
Ralf König ist jeweils Dienstags bis Freitags in der FAZ präsent, Montags ist „comicfrei“, Samstag meldet sich weiterhin Strizz. Nach 9 Folgen lässt sich noch nicht absehen, was von dieser Kinderbibel für Atheisten zu halten sein wird. Das szenische Element kommt etwas kurz, aber das wird sich sicher ändern, wenn die Arche endlich in See sticht (oder wie sagt man? abhebt?). Immerhin dürfte Ralf mit dem allerersten Bild als erster Comiczeichner das Nichts dargestellt haben („Leer war die Welt und ohne Sinn, drum ist im ersten Bild nichts drin.“) – das schreibt Comicgeschichte!
Manche wollen nicht erst abwarten, ob es Ralf gelingen wird, sein Ziel der Religionskritik auf dem Weg der Nacherzählung biblischer Geschichte zu erreichen (ich würde meinen, schlimm ist allenfalls, was die Menschen daraus gemacht haben!). Ihnen reicht die Tatsache als solche, die Respektlosigkeit der Nacherzählung, um Zeter und Mordio zu schreien. Sich um solche Spinner zu kümmern hieße jedoch, ihnen zu viel der Ehre zu erweisen, sollen sie doch krakeelen. Wir sind ja nicht in Amerika, es werden schon keine christlichen Frauenvereine vor dem FAZ-Verlagsgebäude demonstrieren.
Ich muss gestehen, ich bin ein wenig traurig darüber, dass wohl keine tuntigen Giraffen und bärige Bären vorkommen werden, ein derart penetrant heterosexuelles Unterfangen wie die Arche braucht doch viel eher schwule als theologische Kritik! Wie, bitte schön, sollen die Schwulen die Sintflut denn überlebt haben? Na? Wer hat den Tieren die Haare gemacht und während der öden Schipperei für Unterhaltung gesorgt? Aber Ralf wird ohne Zweifel wissen, was er tut, und seine Komik aus anderen Dimensionen des Stoffs ziehen. Wir werden das gespannt verfolgen!

2 Gedanken zu „Der Arche-Typ als Arschloch

  1. Das hört sich vielversprechend an! Sollte ich auf meine alten Tage zum FAZ-Leser werden müssen? Ralf König auf den Spuren von Jean Effel? Klingt jedenfalls cool.
    Besonders in einer Zeit, wo die religiösen Fanatiker fröhliche Urständ feiern. Ok, diese Tage muss der Chef-Fanatiker in Amiland seinen Sessel räumen. Aber warten wir mal ab. In diesem Zusammenhang ist diese Comicserie echt spannend.
    Das Mittelalter ist jedenfalls vorbei.
    Aus und vorbei. Da hilft auch kein Beten, kein Büßen, kein Trick!

    Ok, geschenkt, die letzte Zeile ist von FJ Degenhardt. Und dann geht’s irgendwie etwa so weiter: Und Berti Bischoff der ewig Bestusste, der onaniert nochmal hinterm Altar.
    So oder so ähnlich, jedenfalls habe ich jetzt keine Luste, die alte LP herauszusuchen und den Text nachzulesen.

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