Forum Homosexualität und Literatur hört auf

Von allen wissenschaftlichen Zusammenschlüssen, die im Zuge der Neuen deutschen Schwulenbewegung entstanden, haben die Literaturwissenschaftler mit den 50 Ausgaben des „Forums Homosexualität und Literatur“ ohne Zweifel die deutlichsten Spuren hinterlassen. Das ist nicht zuletzt der Tatsache zu verdanken, dass diese Zeitschrift bis zu dessen Pensionierung am Lehrstuhl von Wolfgang Popp in Siegen herausgegeben wurde. In keiner anderen Disziplin ist es gelungen, zumindest zeitweise eine derart fruchtbare schwule „Infrastruktur“ hervorzubringen. Vergleichsweise spät, im Jahr 1999, gründete sich mit „Invertito“ ein Jahrbuch des Fachverbands Homosexualität und Geschichte, das sich gerade erst mit der Abkehr von Themenschwerpunkten zu einer Art jährlich erscheinender Zeitschrift gewandelt hat. Auch wenn es leider weder Literaturwissenschaftlern noch Historikern gelungen ist, die unterschiedlichen Strömungen schwuler akademischer Forschung miteinander in Kontakt zu bringen, verdienen diese Bemühungen mehr Resonanz aus den Teilen der schwulen Szene, die sich weiterhin für inhaltliche Fragen interessiert. Wer es bisher versäumt hat, kann bis auf weiteres sicherlich in den Schwulen Buchläden die Ausgaben des „Forum“ anschauen und kaufen, das historische Jahrbuch hoffentlich noch bis weit in die Zukunft hinein.
Da die von Anzeigenblättern dominierte schwule Presse die Lust an substanziellen Auseinandersetzungen mit Literatur längst verloren hat und nur in Ausnahmefällen mehr als kleine Inhaltsangaben veröffentlicht, fehlt es Deutschland ganz eindeutig an einem Forum zur Auseinandersetzung über zeitgenössische Literatur. Aus diesem Grund habe ich bereits vor 11 Jahren bei den Machern des „Forum“ angefragt, ob man nicht über eine Ausweitung ihrer Zeitschrift in Richtung auf ein Rezensions- und Diskussionsblatt nachdenken sollte, das seine Zielgruppe auch außerhalb der akademischen Diskurse sucht. Seinerzeit wurde der Vorschlag mit Hinweis auf die Notwendigkeit einer wissenschaftlichen Zeitschrift höflich abgelehnt. Heute stellt sich die Situation anders da, und ich wäre froh, wenn diejenigen, die in den letzten Jahren mit viel Engagement die Herausgabe des „Forum“ ermöglicht haben, nun dazu bereit wären, ein schwules Kulturmagazin zu unterstützen. Auch wenn sich ein solches Magazin nur in Form eins Jahrbuchs ermöglichen ließe, wäre es doch besser als gar nichts. Bitte drängeln!


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