PorNo! oder Porno! ??

Eine neue „PorNO!“-Kampagne und eine dazugehörige Debatte hat „Emma“ gestartet – gegen das Machtverhältnis in der Sexualität, sexuelle Ausbeutung, Gewalt, Beherrschung und Benutzung der Frauen durch die Männer. Iris Radisch schrieb dazu in der „Zeit“.

Emma // Iris Radisch: Das ewige Rein-Raus

Iris Radisch schreibt:

„Müssen Frauen sich im dreißigsten Jahr der Anti-Porno-Bewegung noch immer von Alice Schwarzer darüber belehren lassen, dass »rein genitale Sexualität« unweiblich, dass ein »vaginaler Orgasmus« nicht möglich und die »Penetration« der weiblichen »Lust oft eher hinderlich« sei? Solchen Ansichten über die Natur der Weiblichkeit vertrauen die meisten Frauen heute genauso wenig wie dem biologistischen Abrakadabra einer Eva Herman.“

Wie halten es eigentlich die Schwulen mit der Pornographie?
Ist das bei uns etwas anderes? Muss man da differenzieren?

Denn immerhin sind die Rollen in schwuler Pornographie meist austauschbar, Macht- und Herrschaftsverhältnisse stellen sich anders dar. Außerdem beobachten wir das merkwürdige Phänomen, dass Frauen sich eben deshalb für schwule Pornographie interessieren, sie sogar schreiben. Anne Eßer schreibt in dem Sammelband „Unbeschreiblich männlich“ über dieses Phänomen

Unbeschreiblich männlich

Schaut man sich schwule Pornographie an oder liest entsprechende Bücher, erkennt man eine ziemliche Bandbreite. Sie reicht vom ewigen „Rein-Raus“ bis zu beinahe romantischen und doch ziemlich geilen Geschichten, in denen sich Menschen begegnen und nicht benutzen.

Iris Radisch greift solche Fragen indirekt auf, wenn sie auf die Erwartungen an eine „progressive“ Pornographie erinnert. Sie stellt jedoch angesichts des Ausmaßes der Sexualisierung der Gesellschaft fest:

„Wie naiv erscheinen im Rückblick diese letzten Jahre vor dem Anbruch des multimedialen Zeitalters. Damals gab es noch die Idee von einer progressiven Pornografie, in der Geschlechterrollen neu entworfen werden. Dieser Traum ist heute in den Internetportalen der Amateurpornografie auf ernüchternde Weise wahr geworden. Allerdings nicht als subversive Gegenkraft zur kommerziellen Pornografie, sondern als deren massenhafte traurige Nachäffung.
Die Stereotypen des Kommerz-Pornos vervielfältigen sich bis ins Unendliche in den medialen und realen Posen und Selbstinszenierungen der Amateure. Schulkinder imitieren »Gangbang«-Vergewaltigungen, und die Betreuer verwahrloster Jugendlicher müssen befürchten, dass ihre Schützlinge in unbewachten Augenblicken kollektiv Oralsex-Pornos nachspielen. Halbe Kinder sehen Pornofilme auf ihren Handys, bevor sie die ersten Küsse tauschen. Und dass dieses ewige Rein-Raus auf der Mattscheibe von den traditionellen konfliktträchtigen Zutaten wie Liebe oder Verständigung gänzlich befreit ist, halten sie irgendwann für Normalität. Das alles zu bedauerlichen, aber unvermeidbaren Liberalisierungsschäden in einer freien Gesellschaft zu erklären ist nicht mehr möglich. Das alles wirksam zu bekämpfen aber auch nicht. „

Gibt es progressive Pornographie?
Gibt es so etwas wie ein „unschuldiges“ Bedürfnis nach Pornographie?
Gibt es spezifisch schwule Antworten auf diese Fragen, Antworten, die vielleicht auch über den schwulen Tellerrand hinaus weisen?

Über Detlef Grumbach

Detlef Grumbach gehört zum Team von Männerschwarm und arbeitet obendrein als freier Kulturjournalist. Schwule Bücher machen, sie "verkaufen" und Literatur insgesamt beobachten - das soll sich hier niederschlagen.


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Ein Gedanke zu „PorNo! oder Porno! ??

  1. „- weil es als der Moment größter Stärke von Murat heraus gestellt wird, als er sich zuletzt ficken lässt, was wunderbar das Klischee vom starken Ficker und untergeordneten Gefickten unterläuft.“
    Der Sieg von Jesus bestand in der völligen Unterwerfung unter seinen aufdiktierten Erlösungszwang.
    Der Sieg der Frau über den Ficker besteht in der vollständigen Identifikation mit ihm, im Aufgehen in SEINER Identität… die er über den Schwanz und das Sperma abgibt. Das wahre Motiv der Barebacker – und DAS SM-Thema! 😉

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